Zwei Mütter bewegen viel

Die Initiative „Rolling Home“ verhilft jungen Rollstuhlfahrern zu mehr Freiraum.

„Unsere Kinder sahen sich oft so leid, wenn andere etwas unternahmen“, erinnern sich Astrid Handlechner und Martina Auberger. Ihre beiden Töchter sind Rollstuhlfahrerinnen, beide auch kognitiv beeinträchtigt. Wie alle Kinder, wollten sie ab und zu weg von den Eltern. „Da geht es um das Loslassen, das Kappen der Nabelschnur.“ Doch es gab nichts. Die Lebenshilfe bietet nur stundenweise Betreuung an, der Verein Aktiv nimmt keine Rollstuhlfahrer. Sind diese Spastiker, was oft vorkommt, brauchen sie entsprechend Betreuung.

Deshalb gründeten die beiden Mütter vor drei Jahren den Verein „Rolling Home“ in Seekirchen, der Kindern im Rollstuhl elternfreie Wochenenden ermöglicht. Das Angebot wird gut angenommen. Sie fuhren schon nach Nürnberg, nach Wien, in die Therme. Und einmal wurden die Jugendlichen von Profis durchgestylt. „Das hat ihnen total Spaß gemacht“, freuen sich die beiden Mütter.

Heute sind Lea Auberger (19) und Kala Handlechner (21) in Einrichtungen in München und Graz untergebracht, wo sie Ausbildungen erhalten. Sie kommen nur an den Wochenenden nach Hause. Warum so weit weg? „Weil es bei uns in Salzburg kein passendes Angebot gibt. Das System hört auf, wenn sie die Schule beenden. Dann stellt sich die Frage: Was tun mit unseren Kindern?“, erläutert Auberger. „Eine 19-Jährige aus dem Rollstuhl heben, ist nicht leicht. Wir sind auch physisch und psychisch belastet“, gibt sie zu bedenken. Was nichts daran ändert, dass sie ihre Kinder lieben und sie gern in ihrer Nähe hätten.

Haus für junge Rollifahrer in Seekirchen geplant

Deshalb schmiedeten die beiden einen ambitionierten Plan: Neben ihrer Berufstätigkeit – Martina Auberger hat mit ihrem Mann eine Firma in Seekirchen, Astrid Handlechner arbeitet als Biologin an der Naturwissenschaftlichen Universität – erarbeiteten sie ein Konzept für ein Wohnhaus für junge Menschen im Rollstuhl. Neun Bewohner sollen dort abseits großer Behindertenheime ein Zuhause finden.

Nun liegen die Pläne auf dem Tisch. Gebaut werden soll es auf den Windhagergründen in Seekirchen, als Teil einer Wohnanlage. Handlechner: „Bei einem der Häuser wären die beiden unteren Stockwerke für uns geplant.“ Acht Wohneinheiten und ein Gastwohnplatz für Notfälle, etwa wenn Eltern krankheitsbedingt ausfallen, sind vorgesehen. Jedes Zimmer verfügt über ein eigenes Bad und WC. Gekocht werde in einer Gemeinschaftsküche, es gebe Betreuungspersonal vor Ort, einen Haushaltsplan, sinnstiftende Tätigkeiten, erläutern die beiden Frauen.

Zwei Jahre lang haben sie sich „richtig reingehängt“, sich über Gesetze, Verträge, Förderungen informiert. Gemeinde wie Bauträger unterstützen sie, freuen sich die beiden, schon 2020 könnte gebaut werden. Was noch fehlt, ist die Genehmigung vom Land Salzburg, sie warten derzeit auf Antwort.

Bis es soweit ist, bleiben die beiden nicht untätig: Am 12. Dezember laden sie von 19 bis 22 Uhr vorm Bellini’s am Mirabellplatz zur Charity-Battle „Betrunken Gutes tun“, die zeitgleich in zwölf Städten stattfindet. Je verkauften Glühwein und Punsch – auch alkoholfrei – steuern Sponsoren zudem einen Euro bei (Sponsoren melden sich hier: astrid.handlechner@gmx.at).

Spendenkonto: M. Auberger, Rolling Home, RB Seekirchen, IBAN: AT 72 3504 7000 7511 8588, Info: rolling-home.at

Von Petra Suchanek

1 Kommentar

  1. Martin Wolkerstorfer Antworten

    Warum tun da die Gesundheitsbehörden nichts?

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