Happy Lab: Selber machen statt kaufen

Auch noch keine Geschenke für Weihnachten besorgt? Wir waren zu Besuch im Happy Lab.

Der Lasercutter im Happy Lab in Itzling läuft an diesem Abend auf Hochtouren. Christina und Philipp verfolgen die Arbeit des Laserstrahls, wie er Schneeflocken, Elche und den Weihnachtsmann im Schlitten in die Holzplatte graviert. „Die Platte wird die Rückseite eines Adventkalenders“, sagt Christina. Die beiden wissen, was sie tun: Bereits im vergangenen Jahr fertigte das Paar einen Kalender mithilfe des Lasercutters im Happy Lab.

Christina Mazzitelli und Philipp Koneczny bauen einen Adventkalender aus gravierten Holzplatten.   Bild: Anna Boschner

Zeitgleich arbeitet Philipp an diesem Abend an einer Uhr aus Plexiglas. Auch Lampen fertigte der gelernte Elektriker bereits in der Werkstätte, wo er seit fünf Jahren Mitglied ist. Ein Signal ertönt, Christina und Philipp nehmen die gravierte Platte aus der Maschine. Jetzt gilt es die Platte zusammenzubauen und mit Holzleim zu fixieren.
Das Happy Lab ist eine offene Werkstätte in Wien, Berlin und Salzburg. Gegen eine Monatsmitgliedschaft werden digitale Produktionsmaschinen bereitgestellt. Ob mithilfe eines 3D-Druckers, des Lasercutters oder auch am Elektronikarbeitsplatz: Wer eine Idee umsetzen möchte, kann dies dort tun – oder es zumindest versuchen.
Jeden Mittwoch gibt es im Happy Lab einen offenen Abend. Christian Riedlsperger, Werkstättenleiter in Salzburg, führt Interessenten durch die Räume. In Schaukästen sind einige Projekte der Mitglieder ausgestellt. An der Wand hängt ein dreidimensionaler Hirschkopf aus Karton. „Vieles sieht komplizierter aus, als es tatsächlich ist“, sagt Christian. Er beginnt die Führung am Schneideplotter. „Hier kann man zum Beispiel Klebefolien für das Auto oder Wandtattoos zuschneiden.“ Wenige Meter weiter befindet sich der Arbeitsplatz, der dank Lötstation vor allem Elektronikfans begeistern sollte. Oder auch Pflanzenliebhaber: „Zuletzt baute ein Mitglied hier einen Feuchtigkeitsmesser für Pflanzen, der eine E-Mail mit einem Hinweis versendet, sobald die Erde zu trocken ist und gegossen werden sollte.“

Designer Gino Geschaider und Happy Lab Leiter Christian Riedlsperger. Bild: TechnoZ Salzburg

Jakob Gößwald ist an diesem Mittwochabend zum ersten Mal im Happy Lab. Der Salzburger hat eine Idee im Kopf, die er umsetzen will. „Ich möchte hundert kleine Schilder aus Holz fertigen. Dafür benötige ich den Lasercutter zum Schneiden und zum Gravieren der Zahlen.“ An diesem Abend kann er noch nicht mit der Arbeit beginnen. „Doch ich werde wiederkommen“, sagt Jakob.
Nach der Führung durch die Räume erklärt der Werkstättenleiter, wie der Lasercutter zu verwenden ist, ohne dass der Feuerlöscher daneben zum Einsatz kommen muss. Die Maschine sei die beliebteste unter den Mitgliedern. Denn damit lässt sich nicht nur Holz bearbeiten, sondern selbstverständlich auch anderes Material wie Plexiglas, Karton – oder auch Leder: Beim Besuch der Redaktion schneidet Designer Gino Geschaider gerade schwarzes Kunstleder. „Daraus mache ich einen Lampenschirm“, sagt er. Einige seiner Werke verkaufe er. Warum er die Werkstätte besuche? „Weil ich dort alle Maschinen finde, die ich brauche.“ Neben Designern und Künstlern gehören aber auch viele Studenten und Hobbybastler zu den Mitgliedern des Happy Labs. „Es entsteht eine Gemeinschaft, in der alle voneinander lernen“, sagt Leiter Christian Riedlsperger.

Bild: Andreas Fiechtl

Von Handwerkprofis bis zu Hobbybastlern

Allein der Besuch des Happy Labs inspiriert. Auch wenn bisher die Fähigkeit, mit großen Maschinen zu arbeiten, noch nicht entdeckt wurde. Hätte die Redakteurin nicht schon einen Standard-Adventkalender mit Schokolade hinter jedem Türchen zuhause stehen, hätte jener aus Holz von Christina und Philipp sie sicher dazu inspiriert, es heuer selbst einmal mit dem Basteln zu versuchen. Doch zum Glück kommt ja noch Weihnachten.

Anna Boschner

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