Poerty Slam: Bühnenpoesie und Dichterschlachten

Deutsch war nie cooler: Zwei Salzburgerinnen sprechen über ihr Hobby.

Mitte November hatte Anna Schober einen Auftritt. Auf der Bühne des Literaturhauses stehend, spricht sie über Männer. Über junge Männer in Fitnessbekleidung, die in der Muckibude ihren Bizeps stählen. Das sieht Anna Schober häufig, da sie selbst in so einem Fitnessstudio trainiert. So weit so gut, störe sich die Salzburgerin nicht an einer Verhaltensauffälligkeit mancher dieser muskelbepackten Herren. „Manchmal beobachte ich, wie einige von ihnen Trainierende mit weniger Muskeln geringschätzig behandeln oder gar auslachen.“ Ihren Frust lässt Schober auf der Bühne freien Lauf.

Bei Poetry Slams sprechen die Teilnehmer über all das, was sie derzeit bewegt. Die selbstverfassten Texte müssen in einer festgelegten Zeit vorgetragen werden. Es wird jedoch keinesfalls nur vom Blatt abgelesen. Bei Poetry Slams ist es wichtig, eine Performance abzuliefern. Je besser die schauspielerische Leistung und damit der Einsatz von Mimik und Gestik, desto besser. Die Poetry Slammer treten in literarischen Wettbewerben gegeneinander an. Das Publikum vergibt anschließend Punkte. Slammerin Anna Schober lässt sich für ihre Texte von Alltagssituationen inspirieren. „Viele Slammer tragen humoristische Texte vor. Die Gewinner brachten meist das Publikum zum Lachen. Aber so witzig bin ich nicht“, sagt die Studentin der Molekularbiologie. Nicht nur Schober, sondern auch ihre Mitstreiterin an jenem U20-Poetry-Slam im Literaturhaus, Luana Rothner, spricht über eine Situation aus dem täglichen Leben. Rothner beschreibt in ihrer Performance das Gefühl, in einer fremden Stadt zu wohnen, „in der es nie richtig dunkel wird“. Die ehemalige Schülerin des Musischen Gymnasiums ist erst vor kurzem nach Wien umgezogen. Ihr Resümee: Wien ist grau und grausig, aber dennoch irgendwie schön.

Poetry Slammerin Anna Schober kommt aus Henndorf und studiert an der Universität Salzburg Molekularbiologie. Bild: Anna Boschner

Die Bewertung der literarischen Vortrage erfolgt umgehend nach dem jeweiligen Auftritt. Das Publikum oder eine Jury im Publikum vergibt Punkte. „Man muss damit rechnen, dass auch Laien, die zum ersten Mal einen Slam besuchen, bewerten dürfen“, sagt Anna Schober. Ob sie die direkte Bewertung belaste, nachdem sie auf der Bühne sprichwörtlich ihr Herz ausgeschüttet habe? „Nein. Ich mag das sogar. Ich bin sehr ehrgeizig und freue mich auf das direkte Feedback, auch wenn es manchmal hart ist.“

Luana Rothner: „Ich merke während des Auftritts, ob der Text ankommt.“

Schober ist sich bewusst, dass sie damit einem der Grundsätze von Poetry Slams widerspricht. Dieser lautet: „The points are not the point. The point is poetry.“ Die Schaffung von Poesie sei wichtiger, als die Punktebewertung der Jury. „Ich stimme dem nicht zu. Schließlich möchte ich nicht nur für mich alleine schreiben, sondern für den Bewerb.“
Die 19-jährige Luana Rothner ist mit einer Bewertung von sieben von möglichen zehn Punkten mehr als zufrieden. „Meistens merke ich bereits während des Auftritts, ob der Text beim Publikum ankommt oder nicht.“ Was eine gute Performance, die möglichst viele Punkte erzielt, ausmacht? Die Gefühle des Publikums zu wecken. Außerdem sagen beide Slammerinnen, dass sie versuchen, Reime einzubauen und einem Metrum zu folgen.

Anna Boschner

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