Verspekuliert: Penthouse an der Autobahn

Baugruppe zahlte 240 Euro je Meter für Asfinag-Grund an A1. Als die Stadt eine Preisgrenze von 5800 Euro wollte, sprang man ab.

Auf dem Gelände der alten Autobahnmeisterei in Liefering prangt seit kurzem eine große Tafel: „Lagerplatz, Abstellflächen, 100 bis 15.000 Quadratmeter“ für Autos, Lkw, Busse. Bei der Immobilienfirma Hinteregger berichtet man von vielen Einzelanfragen von Campern, einer will einen Pkw-Verkauf aufziehen, ein anderer Aushubmaterial lagern. Man vermiete zunächst auf ein bis zwei Jahre, den Quadratmeter ab 1,2 Euro.

Die alte Autobahnmeisterei in Liefering: jetzt Lagerplatz. Bild: DHK

Die Zwischennutzung der Schotterfläche beim Autobahnknoten Mitte ist ein Provisorium. Geboren aus der Not, nachdem ein gewagtes Bauprojekt geplatzt ist. Ein regionales Baukonsortium der Firmen Dywidag, Hillebrand, Kreuzberger (DHK) wollte gemeinsam mit der Salzburg AG auf dem Gelände eine neue Obus-Remise, 150 Wohnungen und einen mehrstöckigen Büroturm errichten. Die 51.200 Quadratmeter Gewerbegrund der Autobahnen-AG gingen Ende 2014 um günstige 240 Euro/qm über den Tisch, bestätigt DHK-Anwalt Reinfried Eberl die Recherchen des „Fensters“ (Konsortiumssprecher Bernhard Hillebrand wollte sich aktuell nicht äußern).

Ab 2015 – das Gelände wurde zum Notlager für hunderttausende Flüchtlinge – verhandelte man mit der Stadt über den Abschluss einer Raumordnungsvereinbarung. Laut den damals geltenden Weisungen waren für die lukrative Umwidmung in Wohnbauland 75 Prozent geförderte Mietwohnungen, der Rest als Eigentumswohnungen zu errichten. Das Projekt sollte an der Frage scheitern, inwiefern die öffentliche Hand in die Preisgestaltung der privaten Baufirmen eingreifen darf. Beide Seiten fühlten sich am Ende „erpresst“.

Klinkenputzen bei Politikern

Doch zunächst kam es zum „üblichen Klinkenputzen bei Politikern, nichts Unnormales, um das Maximum herauszuholen“, schildert ein Beamter. Damals verantwortlich: Heinz Schaden und Johann Padutsch. Während der SPÖ-Stadtchef alsbald von 270 neuen Wohnungen sprach, vergab der grüne Bauressortchef „gleich einen Dichtebonus von 1,2 Geschossflächenzahl. Er hat 1600 Quadratmeter Bruttogeschossfläche zusätzlich draufgesetzt“, weiß der Kenner.

„Ewige“ Mietpreisbremse?

Letztlich wurden 150 Wohnungen mit strengen Lärmschutzauflagen genehmigt. Dass das Baukonsortium ursprünglich auch die Mietwohnungen selbst vermieten wollte, wich komplett vom üblichen Prozedere abwich. „Die Stadt hat uns gezwungen, die Gswb mit hineinzunehmen“, sagt Anwalt Eberl. Man hätte ohnedies „dauerhaft – eigentlich auf ewig“ – den Mietpreis beschränken müssen und so nicht einmal die Gestehungskosten refinanzieren können. Man akzeptierte zähneknirschend und glaubte sich schon „in der Zielgeraden“ (Eberl), als man zum nächsten Knackpunkt kam – den Preisobergrenzen, die die Politik gegen die explodierenden Wohnungskosten eingeführt hat. Für die marktwirtschaftlich orientierten Baufirmen eine neue Zumutung. Es kam zum Verhandlungsabbruch – und zur Wiederaunfahme der Gespräche mit der nunmehr regierenden ÖVP-Bürgermeisterriege von Harald Preuner. Die drehte erneut an den Schrauben, legte den Schlüssel nach den Gegebenheiten fest.

ÖVP wollte Förderwürdige

Der letzte Vertragsentwurf sah 60 Prozent Mietwohnungen (Gswb) und 40 Prozent preislich gedeckelte Eigentumswohnungen vor: Ein Teil zu 3800 Euro/qm (ohne Tiefgarage), ein anderer zu 5800 Euro. Was ÖVP-Klubchef Christoph Fuchs verteidigt. „Es ist völlig verfehlt, zu sagen, wir hätten wahllos am Schlüssel gedreht.“ 40 Prozent der Wohnungen wären frei verwertbar gewesen, ein Viertel um 5800 Euro. „Wir waren der Meinung, dass das auch auf die Penthousewohnungen anzuwenden ist, damit auch die förderungswürdig bleiben. Einen solchen Preis muss man auf dem Markt erst einmal unterbringen. Mit Blick auf die Autobahn und dem Lärm. Irgendwo gibt es eine Schmerzgrenze.“

„Die haben es übertrieben“

Die Gegenseite unterschrieb dennoch nicht, es habe untragbare Auflagen und Konventionalstrafen gegeben, so Anwalt Eberl. „Das war ein Knebelvertrag, das hat eine seriöse Kalkulation unmöglich gemacht.“ Den Vorwurf, man habe spekuliert, weist der Anwalt zurück. „Wenn die Politik so weitermacht, wird der Wohnbau zum Erliegen kommen.“ Als im September die Salzburg AG absprang, war das Projekt endgültig tot. „Die haben sich verspekuliert, das war ein Glücksspiel. Und dann haben sie es übertrieben“, urteilt ein Brancheninsider. Wann die Brache erneut aus dem Dornröschenschlaf geküsst wird, steht in den Sternen.

Von Sonja Wenger