Gastrojobs weiter unbeliebt

In Salzburg streben über 40 Prozent der Beschäftigen in Gastronomie und Hotellerie einen Job- oder Branchenwechsel an.

Der Job ist hart und hat kein gutes Image. Als Gründe werden der Führungsstil der Vorgesetzten, Zeitdruck und mangelnde Arbeitszufriedenheit genannt. Das haben die Gewerkschaft vida, die Arbeiterkammer Salzburg und das IFES-Institut im Rahmen der Arbeitsklimastudien erhoben.

In der AK Salzburg liegen die Gastronomie und Hotellerie bei den Interventionen und gerichtlichen Auseinandersetzungen mit 25 Prozent Anteil seit Jahren unangefochten an der Spitze. Kein gutes Zeichen angesichts der ökonomischen Bedeutung des Tourismus in Österreich und Salzburg (25 Millionen Übernachtungen in Salzburg von Jänner bis September 2019).

Die Jobzufriedenheit ist seit 2017 zum zweiten Mal in Folge gesunken. 2019 sogar drastisch, sagt vida-Landesgeschäftsführer Thomas Berger. „Es geht um hohe körperliche Belastungen und ein permanentes Stressgefühl. Auch bei der Dienstzeitgestaltung hapert es stark.“ Berger glaubt nicht, dass viele Junge am Abend und an Wochenenden nicht mehr arbeiten wollen. „In der Gastronomie ist die Einteilung zu kurzfristig.“ Die Arbeitszeitreform der Regierung (12-Stundentag) habe die Ruhezeiten auf acht Stunden verkürzt und müsse zurückgenommen werden.

Einige Betriebe hätten die Problematik erkannt. So werden im Sporthotel Wagrain langfristige Dienstpläne erstellt, die eine Planbarkeit der Freizeit erlauben. Hotels errichteten schöne Personalhäuser – für die aber zu bezahlen ist (150 bis 250 Euro für eine Garconniere).

54 Prozent sind (EU-)Ausländer

Die Drop-Out-Quote im Hotel- und Gastgewerbe liegt bei 60 Prozent. Von zehn Lehrlingen sind nach sieben Jahren nur mehr vier in der Branche tätig. Der Ruf nach noch mehr (ausländischen) Fachkräften sei verfehlt, sagt Gewerkschafter Berger. Bereits 54 Prozent der Beschäftigten stammen aus anderen EU-Ländern oder Drittstaaten (Deutsche, Ungarn, Rumänen, Kroaten).

Auf die im Schnitt 25.000 Tourismusar-beitsplätze in Salzburg kommen im Jahr 50.000 Arbeitnehmer. Ein Mindestlohn von 1700 Euro sei überfällig. Ein ausgelernter Koch-Kellner verdient brutto 1600 Euro. Die Masse der Betriebe arbeite nach wie vor mit Kollektivverträgen, Überstundenpauschalen und All-Inclusiv-Verträgen.

Von Sonja Wenger

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