Ganz Salzburg wird zur Tischgesellschaft

Jedermann kann mitfeiern beim 100-Jahr-Jubiläum der Salzburger Festspiele.

Der 22. August 1920 zählt als Geburtsstunde der Salzburger Festspiele. Sie wurden mit Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ in der Regie von Max Reinhardt eröffnet. „Dieser Tag wird daher ein Höhepunkt in unserem Jubiläums-Programm. Wir wollen feiern, dass damals Menschen den Mut hatten, an Festspiele in Salzburg zu glauben“, sagt Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler bei der Programmpräsentation.

Die Salzburger Gastronomen werden an diesem Tag lange Tafeln zwecks Bildung von Tischgesellschaften im Stadtgebiet aufstellen, wo sie die Gäste bewirten. 10.000 Jedermann-Bücher werden verschenkt. Im Großen Festspielhaus wird sich eine Vielzahl von Darstellern aus früheren Jedermann-Inszenierungen zu einer großen Stücklesung zusammenfinden, auf dem Domplatz gibt es eine Festaufführung.

Landesausstellung und Kunstinterventionen

Max Reinhardts Wunsch, die ganze Stadt zur Bühne zu machen, findet in weiteren Programmpunkten ihren Niederschlag. Da wäre einerseits das Fest zur Festspieleröffnung, das zum Jubiläum noch reichhaltiger ausfallen wird (17. und 18. Juli). Weiters wird es kleinere Kunstinterventionen zu nicht realisierten Festspielhäusern geben – an den dafür angedachten Orten: Mönchsberg, Kapuzinerberg, Hellbrunn und Rosenhügel.

Das Herzstück des Jubiläumsprogramms bildet die Landesausstellung „Großes Welttheater“ im Salzburg Museum (15. April bis 31. Oktober). Insgesamt wird das Festprogramm 15 Spielstätten umfassen.

Die Festspiele wollen nicht nur die Stadt zur Bühne machen, sie gehen auch aufs Land. „Wir haben den Kinder- und Jugendbereich explosionsartig erweitert“, erläutert Rabl-Stadler. 87 Aufführungen an 48 Spielstätten in Stadt und Land seien geplant, viele davon in Schulen. Begonnen werde ab 28. April (Näheres wird im Jänner bekanntgegeben).

Was bringt der Sommer an Opern, Schauspiel und Konzerten? Auch hier werden da und dort feine Brücken zum Ursprung der Festspiele geschlagen. 1922 war der „Don Giovanni“ die erste Opernaufführung der Festspiele, dirigiert von Richard Strauss. Anlass für Intendant Markus Hinterhäuser, die Mozart / Da Ponte-Oper im Jubiläumsjahr zu zeigen – mit Teodor Currentzis am Dirigentenpult. Richard Strauss, der Dritte im Bunde der Festspielgründer, ist mit „Elektra“ vertreten. Wie schon bei dessen „Salome“ im Vorjahr, wird Franz Welser-Möst die musikalische Leitung übernehmen.

Mit Modest Mussorgskis „Boris Godunow“ steht eine große russische Oper auf dem Programm (Dirigent: Mariss Jansons), gefolgt von Luigi Nonos „Intolleranza 1960“ (Dirigent: Ingo Metzmacher). „Diese vier Opern geben die Möglichkeit der Erzählung über Individuum und Masse“, erläutert Hinterhäuser.

In Wiederaufnahmen sind Donizettis „Don Pasquale“ (von den Pfingstfestspielen) und Puccinis „Tosca“ (von den Osterfestspielen, mit Anna Netrebko) zu sehen. Die „Zauberflöte“ vom Vorjahr kommt in einer überarbeiteten Neufassung zum Zug.

Handke-Uraufführung, Shakespeare, Schiller

Im Schauspiel hat Bettina Hering neben der Wiederaufnahme des „Jedermann“ mit neuer Buhlschaft Caroline Peters zwei weitere Klassiker angesetzt: Shakespeares „Richard III.“ mit Lina Beckmann in der Titelrolle, sowie Schillers „Maria Stuart“. Letztere ist eine Koproduktion mit dem Burgtheater Wien (u. a. mit Birgit Minichmayr und Bibiana Beglau, Regie: Martin Kušej).

Weiters gibt es eine Neuinszenierung von Hofmannsthals „Das Bergwerk zu Falun“ sowie Uraufführungen von Peter Handkes „Zdeněk Adamec“ und „Everywoman“ von Milo Rau und Ursina Lardi, eine Annäherung an den Jedermann-Stoff aus weiblicher Sicht.

Den Festspielen vorangestellt ist die „Ouverture Spirituelle“. Diese steht unter dem Titel „Pax“ (Frieden). Eröffnet wird sie mit Brittens „War Requiem“ und Schönbergs „Friede auf Erden“, es dirigiert Mirga Gražinytė-Tyla.

Von Petra Suchanek

Am Bild: Der „Jedermann“ erhält mit Caroline Peters eine neue Buhlschaft – und am 22. August einen eigenen Festtag, an dem sich auch die Salzburger Gastronomen beteiligen. Sie stellen in der ganzen Stadt Tafeln zum Schmausen auf. Bild: SF/ Anne Zeuner