Mama auf allen Kanälen

Letztens war ich mit dem neuen Buch zu Lesungsterminen in Deutschland unterwegs, und da hab ich mir zum ersten Mal gedacht: …

Ich freu mich drauf, wenn meine Kinder ein Handy haben. Das ist ja ein heikles Thema, man will ihnen nicht zu früh eins kaufen, weil man selber auch keins gehabt hat damals in den Achtzigern und Neunzigern und diese digitalbefreite Kindheit in unseren Augen so viel besser war, aber auch nicht zu spät, damit sie nicht den Anschluss verlieren und nicht ausgeschurlt werden und weil jetzt eben andere Zeiten sind und das Internet zu unserem Leben dazugehört.

Karikatur Thomas Selinger Bild: www.seli.at

Während ich in den Ferien die Klassenkameraden meines Sohnes mit ihren Handys gesehen hab – er geht jetzt in die Dritte und wird bald neun –, hab ich noch philosophiert: wie gut, dass er noch nicht nach einem verlangt, dass er bisher gar keins haben will. Das möchte ich ausnutzen, solange es geht, ihn handyfrei lassen, ohne das Dauerzocken, das Chatten, das Youtubeschauen und Likessammeln und Trendshinterherjagen, das kommt eh früh genug und es wird Diskussionen geben und neue Regeln.

Aber dann war ich drei Tage lang weg, und da seh ich immer so Sachen. Ich höre zum Beispiel in einer Bäckerei das Lieblingslied meiner Tochter. Ich sehe ein Plakat mit einem Spruch, den mein Sohn witzig fände. Dann würde ich ihnen das gern zeigen und schicken können, wie man das halt heutzutage so macht, das Handy rausfangen, ein Foto whatsappen, und außerdem würd ich sie gern anrufen oder videotelefonieren, wenn ich sie vermisse.

Das kann ich eh machen, klar, mein Mann hat ja sowieso auch ein Smartphone, aber das ist nicht dasselbe, es ist kein direkter, ungefilterter Kommunikationskanal zwischen meinem Sohn und mir und meiner Tochter und mir. Als ich allein verreist bin, hab ich gemerkt, dass ich mich darauf freue, dass es den in absehbarer Zeit geben wird.

Eltern, die Teenagerkinder haben und mir voraus sind, lachen jetzt vielleicht, womöglich schreiben Jugendliche ihren Müttern nie zurück oder interessieren sich nicht für Fotos und Videos von der Mama auf Lesereise, aber im Moment bin ich noch naiv genug für solche Illusionen. Außerdem mag ich den positiven Gedanken, denn das Handythema ist eh mit genug Negativem behaftet, ich will da nicht immer nur schimpfen.

Wir hängen doch alle ständig am Smartphone, wir schreiben und schicken uns von Umkleidekabinenselfies bis zum Cat Content lauter Blödsinn, wir pflegen virtuelle Freundschaften, und manche meiner Chats mag ich sehr gern. Bald dann vielleicht auch die mit meinen Kindern.

Mareike Fallwickl istTexterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at