Männer sind Vorsorgemuffel

Ist Frauen die Gesundheit wichtiger? Ja, wissen Experten und warnen: Je weiter eine Erkrankung fortgeschritten ist, desto schwieriger ist ihre Heilung.

Auf dem Gebiet der Gesundheitsvorsorge hängt das angeblich schwächere Geschlecht die „harten Kerle“ ganz schön ab. „Nicht einmal zehn Prozent der Männer nehmen die Möglichkeit einer Vorsorgeuntersuchung in Anspruch“, beklagt Stephan Spiegel, Geschäftsführer der Krebshilfe Salzburg, „und es gibt keine plausiblen Gründe dafür.“

Argumente wie „Mir fehlt die Zeit“, „Solange mir nichts weh tut, bin ich nicht krank“ oder „Diese Art von Untersuchung ist mir einfach unangenehm“, lässt Spiegel nicht gelten: „Das sind Ausreden, die unter Umständen fatale Folgen haben können. Je weiter nämlich eine Erkrankung fortgeschritten ist, desto schwieriger ist auch ihre Heilung.“

Früherkennung kann Leben retten

Die österreichische Krebshilfe hat sich deshalb dazu entschieden, wichtige Informationen über Krebserkrankungen, Früherkennung etc. geschlechterspezifisch aufzubereiten bzw. anzubieten.

Gemeinsam mit Urologen hat sie vor einigen Jahren die „Loose-Tie“-Aktion aus der Taufe gehoben. Sie soll Männer dazu motivieren, sich mehr um ihre Gesundheit zu kümmern. Denn eines steht fest: „Männer kommen oft viel zu spät zu den empfohlenen Untersuchungen und wenn, werden sie meist von ihren Frauen geschickt“, so der Salzburger Krebshilfe-Präsident und Gynäkologe Anton Graf.

Mit 5558 Neuerkrankungen im Jahr 2016 und einem Anteil von etwa 30 Prozent an allen Tumoren (Quelle: Statistik Austria) war Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei den Frauen und mit 1588 Todesfällen auch die häufigste Krebstodesursache bei Frauen (17 Prozent aller Krebssterbefälle). Mit 5245 Neuerkrankungen führt bei den Männern der Prostatakrebs die Rangliste an. Ganz allgemein nimmt die Zahl der bösartigen Tumorneubildungen jedes Jahr zu. Grund dafür ist vor allem die steigende Lebenserwartung.

Tückisch: Prostatakrebs macht keine Symptome

Ein Schlüssel im Kampf gegen die Krankheit ist tatsächlich der Zeitpunkt ihrer Entdeckung. Je früher sie erkannt und die speziellen Eigenschaften des Tumors bestimmt werden, umso höher sind die Heilungschancen. Nur: Eine Untersuchung ist dafür unerlässlich, denn Prostatakrebs zeigt lange keine Symptome.

Ärzte appellieren deshalb an alle Männer ab 45, ihre Prostata regelmäßig untersuchen zu lassen. Dazu gehört eine genaue Erhebung der Risikofaktoren, die Bestimmung des PSA-Werts (Prostata-spezifisches Antigen) im Blut, ein Harntest, eine Ultraschall- sowie die Tastuntersuchung der Prostata. „Die Angst vor dem Prostatacheck ist wirklich unbegründet“, beruhigt Spiegel, „die rektale Untersuchung, vor der sich viele Männer scheuen, dauert nicht länger als eine Minute.“

Bessere Therapieoptionen durch Früherkennung

„Es gibt verschiedene Formen von Prostatakrebs, nicht jeder ist lebensbedrohlich und muss sofort behandelt werden,“ sagt Christoph Klingler, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Urologie. Beim heutigen Stand der Medizin wird ein wenig aggressives und daher langsam wachsendes Prostatakarzinom zunächst einmal durch Verlaufskontrollen überwacht. Eine Therapie kommt erst dann zum Einsatz, wenn sich der Tumor verändert „Das nimmt vielen Patienten die Angst vor einer Operation und damit verbundenen Folgen wie Inkontinenz und Impotenz“, erklärt Klingler weiter.

Bei aggressiven Formen des Prostatakarzinoms muss auch die Möglichkeit einer Bestrahlung oder Radikaloperation in Betracht gezogen werden. Klingler: „Wichtig ist, dass die Wahl der Therapiemethode gemeinsam mit dem Patienten erfolgt, alle damit verbundenen Vor- und Nachteile besprochen und schließlich die beste individuelle Therapieoption gefunden werden. Dafür ist natürlich ein vertrauensvolles und offenes ärztliches Gespräch unerlässlich.“

Auf Wunsch kann auch eine Vertrauensperson hinzugezogen werden. „Leider erleben wir oft, dass sich Männer nicht trauen, wichtige Fragen über den möglichen Therapieerfolg, aber auch Nebenwirkungen der jeweiligen Behandlung zu stellen“, bedauert der Urologe. Die Krebshilfe Salzburg hat deshalb nun eine reine Männergruppe eingerichtet, in der sich betroffene Patienten untereinander austauschen, aber auch Unterstützung von Psychoonkologen erhalten.

Infos: www.krebshilfe-sbg.at

Von Michaela Pircher

Bild: Pixabay