Bier, heiß und süß?

Ein Seidel Bier, aber heiß getrunken? Das kann man sich schwer vorstellen. Doch irgendetwas muss dran sein an Oarbier und Biersuppe.

Der griechische Philosoph und Schriftsteller Plutarch, der vor knapp 2000 Jahren gewerkt hat, meinte, Bier sei unter den Getränken das nützlichste, unter den Arzneien das schmackhafteste und unter den Nahrungsmitteln das angenehmste.

In allen Kulturen der Erde spielen vergorene Getreidegetränke eine Rolle: ob Reiswein in Japan, Brottrunk in Osteuropa, Kwete aus Hirse und Mais in Uganda oder Millet Beer aus Hirse in Südafrika, alle liefern gleichermaßen probiotische Bakterien und Nahrung für diese Bakterien. Diese Pro- und Präbiotika brauchen wir – wohlgemerkt in ganz kleinen Mengen – möglichst jeden Tag.

Der Einfluss von Bier auf die Psyche entsteht aus dem Zusammenspiel der Darmflorawirkung, den B-Vitaminen als Nervennahrung und den Effekten vom Hopfen. Experten betonen oft, dass die Hopfenmenge im Bier zu gering sei, um eine Wirkung zu zeigen. Doch bedenkt man, dass auch eine Tinktur aus Hopfen beruhigend ist, obwohl quantitativ nur ein Hauch davon enthalten ist, so könnte auch das Bier eine Rolle spielen. Der Hopfen hat ja in seiner Verwandtschaft den Hanf, der sich zur Zeit größter Beliebtheit erfreut.

Alkohol verbessert die Aufnahme von Nährstoffen und Pflanzenwirkstoffen, indem er die Schleimhaut durchlässiger macht. Wenn wir ein Seidel Bier erhitzen und auch noch ein wenig Honig dazu geben, erwischt der Körper die Nährstoffe noch leichter. Der vielbescholtene Zucker hilft da kräftig mit. Da passt sogar noch ein Esslöffel Butter dazu, so kommen kurzkettige Fettsäuren ins Spiel, die kräftigen die Darmzellen. Jetzt lässt sich natürlich drüber streiten, ob Hitze, Honig, Butter und vielleicht sogar noch ein Ei den Wohlgeschmack von Bier verbessern oder ob es eher in die Kategorie Naturmedizin fällt? Auf alle Fälle ist es ein erprobtes Hausmittel.

Karin Buchart, Kräuter- und Heilpflanzenexpertin, Ernährungswissenschafterin, www.buchart.at

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