Und wer erbt das Facebook- Konto?

Wir haben Accounts bei Facebook, Twitter, Google und Co. Doch fast niemand regelt seinen digitalen Nachlass.

Jetzt vor Allerheiligen wird auf den Friedhöfen auf vieles geschaut: Ob die Blumen am Grab gestutzt werden müssen oder die Inschriften noch schön anzusehen sind. So mancher Friedhofbesucher wird überlegen, ob an ihn einmal ein Grabstein, eine Urnennische oder nur ein Baumhain erinnern soll. Worüber man nicht nachdenkt, sind die digitalen Spuren, die wir in immer größerer Menge hinterlassen. Wer erbt das Facebookkonto eines Verstorbenen? Wie bekommen die Hinterbliebenen Zugang zu dessen Twitter, LinkedIn, E-Mail- und Paypal-Accounts?

Plötzlich kein Zugang mehr

Das Erfreuliche: Es gibt Möglichkeiten, seinen digitalen Nachlass zu regeln. So kann man laut Claudia Bohl von der Arbeiterkammer Salzburg bei Facebook und Google mittlerweile Nachlasskontakte einrichten. Damit bestimmt man, wer Zugriff auf bestimmte Daten haben darf. Das Problem: „Nur ganz wenige Leute wissen davon“, sagt die Datenschützerin.

„Über den digitalen Nachlass macht man sich keine Gedanken“, sagt Notar Philipp Ranft von der Notariatskammer Salzburg. Er und seine Kollegen wollen dafür ein Problembewusstsein schaffen. „ITunes sieht vor, dass mit dem Tod des Users das Konto erlischt. Bezahlte Musikdateien oder Filme können dann von den Erben nicht mehr konsumiert werden“, schildert Ranft.

Claus Spruzina, Präsident der Notariatskammer Salzburg, regt Klienten bei Testamentseröffnungen und beim Erstellen von Vorsorgevollmachten dazu an, den Zugang ihrer Angehörigen zu Social Media-Konten zu regeln. „Wichtig ist es, die Passwörter und Codes an einem auffindbaren Ort zu hinterlegen.“ Auch für Online-Accounts gilt das Erbrecht. „Das heißt, den Erben steht der Zugang zu“, so Spruzina.

Doch vielen Plattformbetreibern ist das egal. Wollen Verwandte dann auf Fotos, wichtige Dokumente oder Kontakte zugreifen oder ein Profil eines Verwandten löschen, verwehrt man ihnen unter Hinweis auf die eigenen Geschäftsbedingungen den Zugriff. Und auf Profile, die ein Verstorbener unter irgendeinem Scherznamen angelegt hat, kommt man oft nicht einmal drauf.

Die Social Media-Riesen wissen dagegen ungeheuerlich viel. Da versetzt Facebook das Profil eines Users in den Gedenkzustand, obwohl kein Angehöriger dessen Ableben Facebook bekannt gegeben hat. Woher weiß Facebook von Todesfällen? Diese Frage stellte sich auch die Familie eines deutschen Mädchens (15), das von einem Zug überfahren wurde. Die Eltern wollten die letzten Stunden ihrer Tochter rekonstruieren, doch Facebook untersagte den Zugriff. Nach mehreren Verfahren entschied der deutsche Bundesgerichtshof zugunsten der Eltern. Spruzina: „Man kann sich jetzt auf dieses Urteil berufen. Wenn nötig, sollte man sich einen Anwalt suchen.“

Gräberschwund am Friedhof

Auf den Friedhöfen verändert sich derweil die Erinnerungskultur spürbar. Seit Neuestem werden schon mehr Grabstein-Gräber aufgelassen als neue gegründet. „Viele Leute wollen sich die Grabpflege nicht mehr antun“, sagt Manfred Obermaier, Friedhofsverwalter der Stadt Salzburg. Vorbei sind die Zeiten, als die Steinmetze zu Allerheiligen in Arbeit untergingen. Beliebte kostengünstige, pflegefreie Alternativen sind Urnennischen und (halb-)anonyme Urnen unter Bäumen.

Von Sabine Tschalyj