Stress im Studium: Leiste ich genug?

Jeder vierte österreichische Student leidet unter den gesundheitlichen Folgen von Stress. Immer mehr suchen Hilfe.

Das neue Semester hat vor zwei Wochen begonnen. Für das Team der Psychologischen Studierendenberatung Salzburg bedeutet das, dass der Terminplan allmählich wieder voller wird. „Ab November häufen sich die Neuanmeldungen. Dann ist die erste Euphorie des Studienbeginns meist verschwunden“, sagt Gertraud Meusburger, Psychologin und Leiterin der Beratungsstelle. Spätestens während der Prüfungsphase steige die Nachfrage schließlich stark an.

„Am häufigsten kommen Studierende zu uns, die Prüfungsängste, Lern- oder Motivationsprobleme haben“, sagt Meusburger. Aber auch zu hoher Leistungsdruck, Versagensängste und psychische Beschwerden – wie depressive Verstimmungen – lassen Studierende Hilfe in Anspruch nehmen.

Psychologin Gertraud Meusburger: „Wenn man immer alles alleine mit sich ausmacht, kommt es schnell zur Verdrängung.“

Wenn Stress im Studium überhandnimmt

Mit dem Studium beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Meist bedeutet das den Umzug in eine neue Stadt. Eltern und Freunde bleiben zurück, das Umfeld ist ein anderes. „Viele Studierende können diese Herausforderung gut bewältigen, vor allem dann, wenn sie sich mit Kommilitonen vernetzen, denen es ähnlich geht“, erklärt die Psychologin. Dennoch sei es nicht überraschend, wenn in dieser Phase Unsicherheiten und Ängste auftreten.
Obwohl das Thema heute nicht mehr so stark tabuisiert werde, ist die Hemmschwelle eine psychologische Beratungsstelle aufzusuchen oft sehr hoch. Deswegen hält die Psychologische Studierendenberatung das Angebot so niederschwellig wie möglich. „Hilfesuchende können sich per Email oder im Onlinechat an uns wenden, bevor wir einen Ersttermin vereinbaren.“ Die Beratung ist kostenlos und die Studierenden bleiben anonym.

Wichtig sei auch eine gute Vernetzung mit den Lehrenden der Universität, Stipendienstellen und der ÖH, welche die Studierenden auf das Angebot der psychologischen Studierendenberatung aufmerksam machen.

Studierende bleiben anonym und Beratung ist kostenlos

Dass die Nachfrage nach psychologischer Hilfe unter Studierenden in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen habe, führt Meusburger auf den gesellschaftlichen Wunsch nach Perfektion und guten Leistungen zurück. „Doch wenn man immer alles alleine mit sich ausmacht, kommt es schnell zur Verdrängung.“ Deshalb lautet ihre Botschaft: „Je früher ich ein Thema angehe und mir helfen lasse, desto besser.“ Das Ziel sei, Probleme bereits Vorfeld zu verhindern.

Gertraud Meusburger. Bild: privat

Das ausführliche Erstgespräch dient dem Kennenlernen. Im Zentrum steht die Frage: Welches Problem liegt vor, was ist dessen Ursache und wie können Lösungsschritte erarbeitet werden? Das Angebot der Studierendenberatung reicht von Interessenstests, gezielten psychologischen Einzelgesprächen bis zu themenbezogenen Coachings und Workshops.

Im Vorjahr wurden von der Beratungsstelle insgesamt 2014 Studierende psychologisch beraten oder psychotherapeutisch behandelt. Dazu kamen etwa 1450 Kurzauskünfte sowie Online-Chatberatungen. Fast die Hälfte der Studierenden, die um Rat suchten, sind zwischen 20 und 25 Jahre alt. Studenten im Alter von 26 bis 30 Jahren machen ein Viertel der Klienten und damit die zweitgrößte Gruppe aus.

Anna Boschner