#sorrynotsorry

Liebe Frauen, ich habe eine Bitte an euch: Hört auf, euch zu entschuldigen.

Seid höflich und sagt, dass es euch leid tut, wenn ihr was verbockt habt, wenn ihr wirklich Grund habt, um Verzeihung zu bitten – aber nur dann. Ist euch schon mal aufgefallen, wie viele eurer Freundinnen sich ständig entschuldigen, obwohl sie gar nicht müssten? Wie sehr „Ma, das tut mir leid“ und „oh Gott, entschuldige“, „sorry, dass ich …“ in den Gesprächen von uns Frauen verankert sind? Ist euch schon mal aufgefallen, wie oft ihr selbst das macht? Wir entschuldigen uns für ALLES. Es ist uns so sehr zur Routine geworden, dass wir es kaum bemerken.

Karikatur Thomas Selinger. Bild: www.seli.at

Letztens hab ich eine Freundin im Krankenhaus besucht, die gerade ein Baby bekommen hatte, und sie hat sich dafür entschuldigt, dass noch andere Leute zu Besuch gekommen sind. Sie hat mir sogar danach noch geschrieben, wie leid es ihr tut, dass so viel los war und sie nicht mit mir ratschen konnte.

Aber daran trägt sie keine Schuld, und sie sollte sich auch nicht so fühlen. Wir alle sollten uns nicht dauernd so fühlen, als müssten wir um Vergebung bitten. Ich weiß, das ist in uns drin. Wir sind so sozialisiert, so aufgewachsen, es wird uns beigebracht und vorgelebt. Ich weiß auch, wir meinen das nur so halb ernst, wir entschuldigen uns nicht „in echt“. Aber das macht es ehrlich gesagt nur noch schlimmer.

Denn Sprache bildet die Welt nicht nur ab, sie formt sie auch, und wenn wir immer wieder „Sorry“ sagen dafür, dass wir etwas wollen, dass wir uns Gehör verschaffen, dass wir überhaupt da sind, dann folgt die Gesellschaft dieser vermeintlichen Entschuldigungspflicht und verlangt umgekehrt von uns, dass es uns gefälligst leid tut, dass wir Raum einnehmen. Ich möchte hier eine klare Grenze ziehen zwischen Höflichkeit und unnötiger Unterwürfigkeit. Frauen buckeln oft zu sehr. Sie entschuldigen sich für etwas, auf das sie keinen Einfluss haben, und letztlich auch für ihren Erfolg, ihr Auftreten, ihre Bedürfnisse, dafür, dass sie sind, wie sie sind.

Natürlich trifft das nicht auf alle zu, das ist selbstverständlich, und natürlich liegt es auch daran, dass Frauen empathisch sind, sich in ihr Gegenüber hineinversetzen und sich wünschen, es möge sich wohlfühlen. Aber, liebe Frauen, fangt an, zu differenzieren. Beobachtet euch mal einen Tag lang und registriert bewusst, wie oft ihr euch floskelhaft entschuldigt. Und dann fragt euch, ob das jetzt notwendig war – oder ihr euch damit klein gemacht habt.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at