Petersbrunnhof: So locker geht Haubenlokal

Harald Rindler kochte einst im Hotel Seekarhaus auf, jetzt hat er das Nestroy im Schauspielhaus übernommen.

Als wir im Vorjahr zu Winterbeginn auf dem Weg zu Harald Rindler waren, da drohte die Reise schmählich im Straßengraben zu enden. Es begann, stark zu schneien, und unser Auto schlitterte gefährlich den Radstädter Tauern hinauf. Ketten vergessen, die Vorkosterin schimpfte. Glücklich in Obertauern angekommen, mussten wir zum Hotel Seekarhaus ins Allrad-Taxi umsteigen. Ein bisschen verrückt wirkt der Vorkoster schon in seiner Lust auf ein gutes Essen.

Der Aufwand damals lohnte: Es wurde ein bemerkenswert einfallsreiches Mahl. Heuer im Herbst ist Rindler entgegenkommenderweise umgezogen in den Salzburger Petersbrunnhof. Vom Küchenchef im Saisonhotel wandelte er sich zum Bistrokoch im Schauspielhaus. Selbstständigkeit fängt meist klein an. Viktoria Engelhardt leitet das Service. Sie hat als Sommeliere im Hangar 7 gearbeitet, eine der besten Adressen. Er kann auf das Berliner Spitzen-Restaurant Reinstoff verweisen. Kennen und lieben lernte sich das Paar im Kirchenwirt von Leogang. Globetrotter werden sesshaft.

 

Sommeliere Viktoria Engelhardt glänzt durch eine hochattraktive Weinauswahl außerhalb des Mainstreams. Bild: Homepage

Im SN-Beitrag zur Nestroy-Eröffnung war durchaus von Haubenküche zu lesen, die den Gast erwarten werde. Ungewöhnlich; denn normalerweise stapeln Köche tief in falscher Bescheidenheit. Dies Vorhaben kann sich auf einen Startvorteil gründen: auf das gebildete Publikum des Theaters. Tatsächlich erlebten wir, wie kurz nach 19 Uhr gut gekleidete Herrschaften zahlten und zum Foyer enteilten. Als wir dann gingen, kamen die „Reserviert“-Taferl auf die Tische für ein Mahl nach der Aufführung. Andere Gäste muss der Betrieb erst gewinnen.
Sicher ist dieser barocke, ehemalige Pferdestall mit seinen Gewölben und Säulen attraktiv, hübsch bemöbelt mit Sitzgruppen und Tischen, von denen ein Teil weißes Tuch trägt. So zweigeteilt ist auch die Karte: preiswert zu Mittag und abends kleine, spannend klingende Gerichte plus ein Menü mit spürbarem Anspruch. Was es gibt, wird auf die Schiefertafel geschrieben und hergerollt. Auch sonst schafft es das Service, locker zu bleiben, flott und professionell – ohne die steife Würde mancher Haubenlokale.

Und so wählten wir auch aus beiden Welten. Eine Kokos-Curry-Suppe (€ 5,90), sehr fein aromatisch gehalten, samt röstigem Gemüse als Badegast. Oder die Pasta des Tages (€ 14,90): eine sattmachend-große Portion Spaghettini mit einem würzigen Kalbshaxen-Ragout. Wir nahmen vier Gänge vom Menü (Einführungspreis € 59 samt einer Flasche Mineralwasser). Da kamen als Happen zuvor gebratene Sa-latherzen im fruchtigen Essig samt ein paar Tupfen Gemüsepüree und gebratenen Pinienkernen. Die Ravioli bargen Artischocken im dünnen Teig, ein mutig säuerlicher Kontrast zu Eierschwammerl. Knusprig gebraten war die Haut einer Forelle, Karotten gelb und orange sorgten für süße Begleitung. Geschmorte Rindsbackerl im wunderbar tiefen Saft vermählten sich dann mit einem sanften Stück gebratenen Kalbes samt ungeniertem Fettrandl. Im Dessert vertrugen sich würzige Kürbiskerne, als Parfait und geröstet, prächtig mit Birnenkompott. Tatsächlich Haubenkost von Rindler. Und Viktoria Engelhardt sorgt für eine hochattraktive Weinauswahl außerhalb des Mainstreams.
Sicherlich das lockerste Haubenlokal der Stadt. Man darf auch gefahrlos die Schneeketten vergessen.

Nestroy,
Erzabt Klotz Straße 22,
5020 Salzburg,
Tel. 0662/841186,
www.restaurant-nestroy.at