Schönheiten im Morgenlicht

Was man liebt, schützt man, weiß Marc Stickler. Er will mit Wildtierfotografie sensibilisieren.

„Es gab schon Situationen, wo es knapp war“, gesteht Marc Stickler. Im Okavango-Fluss in Botswana wurde sein Einbaum von einem Flusspferd gerammt. „Danach habe ich ein Email an meine Professoren geschickt, dass ich mein Leben nicht für eine Forschungsarbeit riskiere und aufhöre.

„Man muss den Tieren, der Natur mit Respekt begegnen“, sagt Marc Stickler. Foto: Marc Stickler

Das war am 3. Mai 2011. Ich habe es aber nie abgeschickt“, erzählt Stickler, der mit seiner Familie in Elsbethen wohnt. Er studierte damals kognitive Ethologie am Primatenzentrum in Göttingen und forschte über das Sozialverhalten von weiblichen Bärenpavianen im Okavango-Delta.

Ein Jahr blieb er in Botswana, wo er für Afrika Feuer fing. Botswana sei eines der wenigen Länder, wo er wirklich im Jetzt und am Punkt lebe. Geprägt hätten ihn unglaubliche Menschen und Begegnungen. „Ich hatte einen lokalen Guide, der mir tagtäglich das Leben rettete. Ich sah die Schlangen nicht, nicht einmal die Elefanten“, lacht Stickler. Einmal sei er auf eine Speikobra gestiegen.

Einmal lag Marc Stickler einen Meter von einem Elefanten entfernt auf dem Boden: „Man weiß, es passiert nichts, aber das Herz pumpert ein bisserl“, sagt er.  Bild: Marc Stickler

Wenn man der Natur mit Respekt begegne, sei die Gefahr aber überschaubar, ist Stickler überzeugt. Wie es sich anfühlt, wenn man mit der Kamera einen Meter entfernt vor einem Elefant am Boden liegt? „Das ist so ein Moment, wo man weiß, es passiert nichts, aber das Herz pumpert ein bisserl.“ Man müsse sich in das Tier und die Situation einfühlen. Er habe schon Tauchgänge mit fünf Meter langen Tigerhaien abgebrochen, weil er spürte, dass sie unruhig wurden, und diese erst nach einer Pause wieder aufgenommen, erzählt er.

In seinem aktuellen Projekt fängt Marc Stickler die Schönheit von Landschaft und Tieren im Morgenlicht mit der Kamera ein. Bild: Marc Stickler

Bei seiner Arbeit geht es Stickler aber nicht um den Adrenalin-Kick. Der Biologe ist seit 2013 zu 100 Prozent als Fotograf selbständig tätig. Seine Auftraggeber sind Hubschrauberfirmen und Lodges, er ist Leica-Markenbotschafter und organisiert Fotosafaris. Stickler will mit seinen Bildern einen Beitrag zum Erhalt dieser Welt leisten, für deren Schönheit sensibilisieren. Sein Credo: Nur was du siehst, wirst du lieben, und nur was du liebst, wirst du schützen.

„Jedes Bild ist schon 100.000 Mal gemacht worden. Das Einzige, was ich noch machen kann, ist das, was ich spüre, die Zeit, die ich verbringe, ins Foto hineinzutransportieren. Es muss Emotion aussagen, sonst bringt es nichts“, so Stickler.

Marc Stickler kam über die Biologie zur Fotografie. Heute arbeitet er als selbstständiger Fotograf, u. a. für Hubschrauberfirmen und Lodges. Foto: Marc Stickler

Kürzlich hat er im Auftrag von Leica Sport Optics und Belmond das Projekt „First Light“ in Botswana umgesetzt. Es ging darum, die Schönheit des Landes im Morgenlicht einzufangen. Für die Videoaufnahme nahm er den FH-Studenten Sanel Ruznic mit. Stickler ist überzeugt: Man muss jungen Menschen eine Chance geben. Und dem Land, das man fotografiert, etwas zurückgeben. Deshalb spendet er einen Teil des Erlöses aus dem Verkauf seiner Kalender und Bilder an Schul- und Hilfsprojekte in Afrika.

Von Petra Suchanek

Hauptbild: Als Wildtierfotograf kommt Marc Stickler Raubtieren sehr nah. Gefährlich wurde ihm allerdings ein Flusspferd. Bild: Marc Stickler