Herd liest Gusto von den Augen ab

Was ein Smart Home drauf hat und was man dafür hergibt. Eine Ausstellung macht das erlebbar.

Heute lieber Ruccola oder Salami? Welchen Belag man auf seine Pizza bekommen möchte, liest der Herd von den Augen der Hungrigen ab. So gesehen in der jüngst eröffneten Ausstellung „Smart Home – Sweet Home?“ in der Arbeiterkammer Salzburg. „Das funktioniert ja super. Ich habe mir das gar nicht vorstellen können“, schildert eine Besucherin. Was der Herd, eigentlich eine Herdattrappe mit eingebautem Computer, macht, probiert gerade eine Pizzakette in den USA aus. „Die machen das noch eher als Gag. Über dieses Eye Tracking werden aber schon die ersten Pizzen bestellt“, sagt Tobias Hinterseer. Der Digitalisierungsexperte der AK SAlzburg beschreibt den Zweck der Ausstellung so: „Smart Homes sind im Kommen. Die Besucher sollen hier testen können, was technisch alles möglich ist und zum Nachdenken angeregt werden, was sie dafür hergeben.“ Gemeint sind die Daten der Benutzer smarter Geräte.

Der Kühlschrank weiß, was man nachkaufen muss

Gemeinsam mit Ars Electronica Solutions (Linz) hat die AK im Trend liegende smarte Geräte bereitgestellt. Geschulte Berater weisen Besucher auf Zusammenhänge hin, die ihnen wohl kaum bewusst sind. Am Beispiel der „Wunschpizza“ nennt Tobias Hinterseer mögliche Verkaufsinteressen: „Vielleicht will der Pizzabetrieb ja, dass du genau gewisse Zutaten bestellst und platziert sie deshalb besonders günstig auf dem Bildschirm.“ Man kennt das aus dem Supermarkt. Oder der Computer erkennt bei mehreren Bestellungen individuelle Vorlieben und der Pizzaesser kriegt Werbung künftig richtig, also passgenau ausgespielt.

Lässig und neugierig, das sind die zentralen Eigenschaften smarter Haushaltgeräte. Da ist der Kühlschrank, der den Bewohner in der Früh seine Mails lesen und Musik horchen lässt und zugleich weiß, was noch im Kühlschrank ist und was er kaufen sollte. Die Berater geben den Besuchern zu bedenken: „Warum gibt es smarte Kühlschränke, wer verdient daran und wo liegen meine Daten?“ Offensichtliche Vorteile, aber auch versteckte Nachteile weist der smarte Spiegel auf. Er liefert einen Newsfeed mit maßgeschneiderten Gesundheitstipps. „Das zeigt, dass Profile von einem angelegt werden. Man kommt dabei schnell in Filterblasen“, sagt Tobias Hinterseer. Die Folge: Gezeigt werden dann vorwiegend Inhalte, die zu den eigenen Vorlieben passen. Geht ja einfach, wenn die smarte Waage und das vernetzte Fitnessarmband ein komplettes Profil der Benutzerin erstellt haben. Schlecht ist das nicht automatisch. Problematisch wird es, wenn Versicherungen an derart gesteuertes Fitnessverhalten die Höhe von Versicherungsprämien knüpfen.

In niedlicher Form kommt der kleine Sprachcomputer „Vector“ daher. Der tennisballgroße schwarze Roboter hebt zum Gruß beide Arme in die Höhe. Er bedient auf Befehl die Lichtschaltung im Haus. Angebunden ist er an den gängigen Sprachassistenten Alexa. Ausstellungsbesucher werden darauf hingewiesen, dass Alexa immer mithört. Im Grunde will man das ja auch, damit das System immer besser wird, meint Tobias Hinterseer.

Smarte Geräte machen vieles komfortabler, liefern etlichen Zusatznutzen. Dahinter stünden aber immer die Daten, die der Benutzer von sich preisgibt. In Wahrheit, so Hinterseer, seien die Services überhaupt nicht gratis. In 10 bis 15 Jahren, glaubt er, werden sprachgesteuerte und vernetzte Geräte, die beispielsweise Licht oder Überwachungskameras steuern, reihenweise in unseren Haushalten stehen. Die künstliche Intelligenz (KI) werde schon bald unser Leben prägen und Teil der Familie sein. Dann werde die KI den Benutzern nicht nur daran erinnern, dass er neue Milch kaufen muss, sondern auch genaue Geschenkvorschläge für Weihnachten machen.

Von Sabine Tschalyj

Ausstellung „Smart Home – Sweet Home? Das digitale Zuhause der Zukunft zwischen Hype und Panik“, in der AK Salzburg bis 17.2.2020

Bild oben: Was auf die Pizza kommt, wird über Eye Tracking ermittelt und der Spiegel liefert Gesundheitsinfos. Vor- und Nachteile smarter Geräte zeigt eine Ausstellung in der AK SAlzburg. 
Bild: AK Salzburg