Fichten und Buchen im Stress

Der Klimawandel belastet Salzburgs Wälder. Tannen aus Kalabrien und USA könnten sie fitter machen.

Die  Fichte und die Buche, zwei für den Menschen besonders wichtige Baumarten, leiden unter dem Klimawandel. Der „Brotbaum“ und die „Mutter des Waldes“ vertragen Hitze und Trockenheit schlecht.
Im nördlichen Flachgau zeigt sich das bereits. „Die Buchen, von denen man glaubt, sie halten alles aus, bekommen mitten im Sommer braune Blätter. In der Not werfen sie dann das Laub  ab“, schildert Rudolf Rosenstatter, Forstwirt in Nussdorf und Obmann des Waldverbands Salzburg.  In Norddeutschland seien tausende Hektar Buchen, aber auch Eichen am Absterben. Man versuche mit Notentlaubungen die Bäume am Leben zu erhalten. Rosenstatter bewirtschaftet 80 Hektar Mischwald von St. Gilgen bis nach Oberösterreich hinein, er komme sich inzwischen vor wie eine Waldpolizei: „Wir müssen ständig Hygiene machen, frisch geschädigtes Holz sofort herausholen, weil das Brutholz für den Käfer ist. Die Extremereignisse nehmen zu, einmal ist es orkanartiger Wind, einmal kommt das Wasser sintflutartig. Wir sind die erste Generation, die den Klimawandel wirklich spürt“, meint Rosenstatter. Es bestehe ernsthafter Handlungsbedarf.

 

Buchen vertragen wie Fichten Hitze und Trockenheit schlecht. Dann werden die Blätter auch im Sommer braun. Bild: Pixabay

53 Prozent  der 38.000 Hektar Salzburger Waldes bestehen aus Fichten. Generationen von Waldbesitzern haben von ihr gelebt. Die Fichte ist ein leistungsstarker Baum, sie wächst schnell, liefert Bauholz, ist Grundstoff für Möbel und Papier, und sie bewahrt als alpiner Schutzwald den Menschen vor den Urgewalten der Natur. Aber auch diesem geduldigen Goldesel des Waldes macht die Erderwärmung zu schaffen.

„Man ist nur noch Waldpolizei“

„Die Fichte hat den Borkenkäfer als Feind. Der profitiert vom Temperaturanstieg und der Trockenheit“, erklärt Biologe Silvio Schneider vom Bundesforschungszentrum für Wald. Gesunden Fichten kann der Käfer nichts anhaben. Die heimischen Fichten sind jedoch gestresst. In geknickten oder entwurzelten Bäumen, die durch Windwurf oder Schneedruck entstehen,  kann der Käfer sich  rasant vermehren und sich wie Feuer durch den Wald fressen. Im Waldviertel und Mühlviertel, in Bayern und Tschechien  sind riesige Bestände bereits tot.  Salzburg ist durch seine regenreiche Staulage am Alpennordrand  besser dran.

Waldreben drücken wie Lianen auf Baumkronen

Es werde in Salzburg auch in Zukunft  Fichten, Tannen und Lärchen geben und keine Palmen, ist  Experte Schneider überzeugt. Doch es sei vermehrt mit Schäden zu rechnen. Vor  allem in tieferen Lagen und auf steilen, höher gelegenen Böden ohne ausreichende Wasserspeicherkapazität. Wobei man hauptsächlich mit den Szenarien eines Temperaturanstiegs von zwei oder vier Grad arbeitet. „Schlimmstenfalls  könnten  auch einzelne Schutzwälder massiv gefährdet sein“ (Schneider). Oder ganze Talschaften wie in  kanadischen Nationalparks verdorrtes Braun tragen, weil Feuer oder der Borkenkäfer die Baumriesen zerstört hat. Ein sich selbst überlassener Wald braucht mehrere hundert Jahre, um sich zu erneuern.

Preise im Keller

Auch in der Mayr-Melnhofschen Forstverwaltung beobachtet man die Klimaveränderung. Oberforstmeister Frank Diehl betreut 5000 Hektar Wald auf dem Untersberg, in Auwäldern an der Saalach oder in Buchen-dominierten Hängen auf dem Haunsberg. „Wir merken das an vielen Indikatoren. Uns ist aufgefallen, dass gewisse Straucharten und Unkräuter in Höhen vorkommen, wo sie vorher nicht waren. Das ist die  Brombeere oder die  Waldrebe, die problematisch ist, weil sie wie eine Liane einen Teppich oberhalb der Baumkrone bildet und einen enormen Druck ausübt.“  Die Schneelast sei heuer extrem gewesen. In Zentraleuropa zirkulierten 40 Millionen Festmeter schlechtes Holz.  „Fahren Sie ein paar 100 Kilometer nach Norden, Sie sehen nur braune Wälder.“ Der Preis ist im Keller: Man bekomme 70, 75 Euro für Fichtenrundholz (Bloch), angemessen wären  90 Euro. Die oft  kritisierten Fichtenmonokulturen seien vor 80 Jahren entstanden, so  Diehl. „Das wurde nach dem Krieg sehr stark propagiert, die Leute haben aus Zwängen heraus gehandelt.  Damals war der Klimawandel kein Thema, damals herrschte   Rohstoffmangel.“

„Wir werden unseren Wald retten“

Europa hat  gegenüber Nordamerika und Asien deutlich  weniger Baumarten, weil sie durch die Eiszeiten ausgestorben sind. Es gelte nun, den Wald klimafit zu machen, so  Biologe Schneider.  Etwa durch mehr Biodiversität:  „Das können Weißtannen aus Kalabrien, nordamerikanische Küstentannen oder Douglasien sein.“
Forstwirt Rudolf Rosenstatter setzt auf   die Leidenschaft und den Fleiß der  heimischen „Waldmenschen“. „Die Waldbesitzer, das  sind   zehntausende  Familien mit ein, zwei, vielleicht fünf Hektar Wald, ein paar Private und der Staat. Sie halten den Wald stabil, sie werden den Wald retten.“

Sonja Wenger

Bild: Heinz Bayer