Zählen Geringverdiener weniger?

Familienbonus wurde nicht zu Ende gedacht.

Die im Mai gestürzte Bundesregierung feierte den zu Jahresbeginn gestarteten Familienbonus Plus als Riesenzuckerl für Familien. Als „größte Entlastungsmaßnahme“ wird er auf der Homepage des Ministeriums angepriesen. Rund 950.000 Familien sollen von einer Steuerlast befreit werden, die bis zu 1,5 Mrd. Euro ausmacht. Das ist gut. Dennoch hakt es (siehe Bericht auf Seite 4): Wer 1700 Euro brutto verdient und ein Kind hat, kann die Steuererleichterung voll ausschöpfen, also 1500 Euro extra als Bonus beziehen.

1700 Euro brutto ist wahrlich nicht viel. Damit muss man sich in Salzburg erst einmal das Leben leisten können. Wegen der hohen Wohnpreise schaffen das viele Eltern überhaupt nur dank der Wohnbeihilfe. Und genau diese Familien hätte man fast vergessen. Ändern Bund oder Land nicht die gesetzlichen Regelungen, verlieren geringverdienende Familien einen Teil ihrer Wohnbeihilfe. Es geht um bis zu 420 Euro im Jahr. Nun haben alle Mitglieder im Sozialausschuss des Landtages zugestimmt, dass man das korrigieren muss. Aber, warum wird erst so spät darüber nachgedacht? Nämlich erst, nachdem Betroffene auf diesen Widerspruch hinweisen?

Es entsteht der Eindruck, Familien mit kleinem Budget wären weniger wichtig. Für die Betroffenen sind solche Fragen aber von extremer Bedeutung. Sie müssen jeden Euro planen. Wie der Familienbonus am Gehaltszettel ausgewiesen wird und ob er als Einkommen zählt, trifft ja auch Kindesunterhalt, Schulbeihilfe und eventuell noch weitere Bereiche. Die Familien (und die Mitarbeiter etwa der Jugendämter) lässt man bisher in Unklarheit. Genau das brauchen die Familien nicht.