Einer allein kann alle bewegen

Letztens hab ich mit meinen Kindern über Greta Thunberg gesprochen.

Ich rede viel mit ihnen über die Umwelt und die Klimakatastrophe, weil sie der Generation angehören, die unsere Fehler wird ausbaden müssen – unverschuldet. Viele Menschen sagen, dass dies eine Welt ist, in die sie keine Kinder setzen wollen, und ich kann das verstehen.

Ich hab manchmal ein richtig schlechtes Gewissen meinen Kindern gegenüber, weil wir ihnen die Erde in einem Zustand hinterlassen, als wär sie ein Dixie-Klo am Ende eines Festivals. Das ist erbärmlich, und wir sollten uns schämen, mehr als das: Wir sollten dringend aufräumen, bevor es zu spät ist, umdenken, endlich etwas ändern.

Karikatur Thomas Selinger. Bild: www.seli.at

Was Greta Thunberg geschafft hat, ist erstaunlich: Die ganze Welt kennt sie. Ein junges Mädchen, das sich allein mit einem Schild hingesetzt hat, das nicht nur geredet hat, wie wir alle es tun, sondern etwas unternommen hat. Politiker in aller Herren Länder schimpfen über sie und überziehen sie mit Spott, sie wird verlacht und verhöhnt, es gibt mehr Diskussionen über die Demonstrationen der Schüler, die bei #FridaysForFuture mitmachen, als über konkrete Umweltschutzmaßnahmen, und das zeigt sehr gut, wo unsere Regierungen ihre Prioritäten setzen.

Trotzdem wird Gretas Botschaft gehört, und wenn sie sagt „Uns kann niemand stoppen“, dann, ihr alten Menschen in euren Ämtern, denen euch alles egal ist, weil ihr eh tot seid, wenn dieser Planet im Plastik erstickt, hat sie Recht. Am Anfang saß da nur Greta. Am 20. September 2019 aber, ein Jahr später, gingen überall die Menschen auf die Straße. In mehr als 160 Ländern haben Jugendliche dazu aufgerufen, an Klimastreiks teilzunehmen, um ein Ende der Nutzung fossiler Brennstoffe zu fordern. Es waren nicht Tausende oder Hunderttausende, es waren Millionen.

Natürlich ist die sechzehnjährige schwedische Klimaschutzaktivistin nicht der Grund dafür, aber sie ist der Auslöser: Ihre Aktion hat bewiesen, dass es nicht wahr ist, dass ein Einzelner nichts bewegen kann. Ganz im Gegenteil. „Was soll ICH schon machen!“, sagen wir gern. Aber einer kann den Anstoß dafür geben, dass ALLE aufstehen. Deshalb habe ich meinen Kindern Bilder gezeigt, von Greta mit ihrem „Skolstrejk“-Schild und dann von all den Schildern, gehalten von all den Menschen.

Ich möchte, dass sie sehen, dass man sich nicht kleinkriegen lassen darf, nicht umblasen lassen darf von scharfem Gegenwind. Und dass es sich lohnt, zu kämpfen, wenn es um die eigene Zukunft geht.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at