Seekirchner Drama mit gutem Ende

Der Hofwirt zeigt nach Bürgerentscheid tadellose Küche. Wirt Daniel Mild führte zuvor das Forsthaus Wartenfels in Thalgau.

Eine Volksabstimmung um einen Gasthof – das ist einzigartig. So wichtig zu werden, hat nur der Hofwirt in Seekirchen geschafft. Der Ausgang ist bekannt. Offen bleibt, was das Drama der Stadt kulinarisch gebracht hat. Ein Job für den Vorkoster.

Denn ein Drama war es, für Nicht-Seekirchner kurz erzählt. Da gab es den Hofwirt, 1437 erstmals erwähnt, das älteste Haus der Stadt, aber desolat und durchaus verkehrsbehindernd an einer Engstelle stehend. Also Abriss? Man käme flotter voran. Die Wirte waren dafür und ausgerechnet die grüne Liste Lebenswertes Seekirchen plädierte auch für ein Wegdamit. Sie erzwang ein Bürgerbegehren gegen alle anderen Parteien, die für den Erhalt als Gasthof waren.

Die Stadt hatte den alten Bau um gut eine halbe Million Euro gekauft, deshalb waren die Wahlberechtigten am Wort – und sie stimmten zu zwei Dritteln für eine Renovierung. Zwei Millionen als Kosten-Obergrenze waren geplant, 2,56 Millionen wurden es schließlich, bis der neue Hofwirt heuer im März den Betrieb aufnahm.

Währenddessen hatte eine Kommission einen bekannten Tiroler Koch als Pächter ausgewählt, man raunte von zwei Gault-Millau-Hauben, die er errungen habe. Der nahm eineinhalb Jahre lang Einfluss auf den Umbau, die Küche ward nach seinen Wünschen gestaltet – und plötzlich vor der Fertigstellung sprang er ab. Schluck.

Die Stadt startete eine neue Suche und es fand sich mit Daniel Mild ein neuer Wirt, der in Thalgau zuvor das Forsthaus Wartenfels geführt hatte. Er versprach regional einzukaufen und saisonal zu kochen, was gut ankam.

Da steht er nun der Klotz, fein lichtbraun verputzt, so gepflegt wie sicher nie in seiner Geschichte. Daneben muss sich die Hauptstraße schmal machen, beste Verkehrsberuhigung in der Tempo-20-Zone. Das Innere ist solide möbliert, die Stadt möchte offenbar lange ihre Freude an ihrer Immobilie haben. Aufs Alter weisen nur die mächtigen Mauern und die prächtige Holztram-Decke hin. Vom Gastraum ist der Blick möglich in die Küche, eine vertrauensbildende Maßnahme. Das Service ist professionell und freundlich, die Karte bleibt übersichtlich – das lässt hoffen, dass hier tatsächlich frisch gekocht wird.

Wir begannen mit karamellisiertem Ziegenkäse (€ 9,20), typisch süß-würzig, fein fruchtig begleitet von Ribisel und Apfel. Richtig gut. Wer es bodenständig mag, wähle das Suppenallerlei (€ 6,80), in kräftiger Rindsbrühe fanden sich Milzschöberl, Leber- und Kaspressknödel zusammen. Nun lässt die Auswahl vermuten, dass der Wirt vor allem Einheimische locken will. Und gerade Frauen mögen’s gern asiatisch. Das tamilische weiße Curry (€ 19) bot vielerlei bissfeste Gemüse in einem süß-scharfen Sud samt großen, festen Garnelen. Die Vorkosterin ließ nichts über.

Ländlich-umfangreich war die Portion geschmorte Rindsbackerl (€ 15,50) in kräftigem Saft samt Polenta geraten, auch das etwas fade Schwammerlrisotto zur gebratenen Schweinskrone (€ 19) war schwer zu schaffen. Doch ist es ein Fehler, auf Desserts zu verzichten. Die Crème Brûlée (€ 7,40) samt Früchten schmeckte klassisch, die französische Schokotarte (€ 7,20) verblüffte mit tiefem Aroma zu Himbeer-Sorbet.

Drama mit gutem Ende: Der Bürgerentscheid servierte Seekirchen ein sehr schönes altes Haus, in dem tadellos gekocht wird.

Hofwirt, Hauptstraße 23, 5201 Seekirchen, Tel. 06212/30732, www.derhofwirt.at

Am Bild: Hofwirt-Chef Daniel Mild (li.) mit seinen Mitarbeitern Robert Böhm und Birgit Pachernegg.
Bild: Hofwirt Seekirchen