Sie zeigen, wie Medien wirken

So geht Medienkunde: FS1-Team lässt Kinder Videos machen. Dabei lernen sie, kritisch mit digitalen Medieninhalten umzugehen.

Im heuer 30. Jahr der Kinderrechtskonvention zeigt sich: Die Medienkompetenz der Kinder gehört verstärkt. Das ist eine Staatsaufgabe, erklärt Andrea Holz-Dahrenstaedt, Leiterin der Kinder- und Jugendanwaltschaft Salzburg (kija). „Der Staat muss Kinder dazu erziehen, dass sie Medien einschätzen können und sich selbst eine Meinung bilden.“ Besonders jetzt, wo der Zugang zu Fake News so einfach sei, ergänzt Holz-Dahrenstaedt. Medienkompetente junge Menschen setzten sich entsprechend mit Menschenrechten, Toleranz und Gleichberechtigung auseinander, davon profitiere die Gesellschaft.

In den vergangenen Jahren lernten die Schüler fast nur, wie man Computer bedient, nicht jedoch, kritisch mit Medien umzugehen. In Salzburg soll das jetzt die Medienwerkstatt für Kinder und Jugendliche ändern. „Bei uns machen Kinder selber Medien und sehen dabei, wie sie wirken“, sagt Ausbilderin Carla Stenitzer. Der Salzburger Community-TV-Sender FS1 hat die Ausbildungsplattform im Auftrag von Stadt und Land gegründet und die Radiofabrik und eine Webagentur an Bord geholt.

Die Ausbilder gehen auf den Alltag der Kinder ein. Da zeigt sich Bedenkliches: Social Media ist für die meisten die Nachrichtenquelle Nummer Eins, obwohl sie diese gar nicht vertrauenswürdig finden. „Wir animieren zum Forschen, ob Medieninhalte stimmen“, sagt Stenitzer. Die Kinder lernen zu recherchieren, wohin ein Link führt, welches Medium und Impressum dahinter stehen und ob die Bilder stimmen. Oft werden Bilder und Texte, die nichts miteinander zu tun haben, miteinander verknüpft und Inhalte verzerrt dargestellt. „Mit der Rückwärtssuche kann man sehen, wann und in welchem Kontext ein Bild erstmals erschienen ist, oder ob es von einer Bilddatenbank stammt“, so Stenitzer.

Kinder bestimmen, wie sie jemanden darstellen

Anhand eigener Fernseh-, Radio- und Webbeiträge erfahren die Kinder, wie unterschiedlich die Botschaft herüberkommt: Das fängt bei der Wahl der Interviewpartner an. Stenitzer: „Wir diskutieren in der Gruppe, warum gerade der, warum nicht die andere Seite?“ Beim Fragenstellen selbst geht es um das Wie. Die Interviewer merken, dass sie andere Antworten provozieren, je nachdem wie sie fragen.

Beim letzten Schliff, dem Schnitt, haben die Medienmacher noch einmal große Entscheidungsfreiheit. Sie sehen, was passiert, wenn bei einer Person der Ton schlechter ist oder in einem Radiobeitrag die „Ähms“ nicht herausgeschnitten werden. „Das macht einen Riesenunterschied, wie jemand wahrgenommen wird“, so Stenitzer.
Im Alltag ist das vielen Kindern nicht bewusst. „Viele meinen es witzig, wenn sie jemanden in einer unangenehmen Situation aufnehmen und das ungefragt veröffentlichen. Dabei verletzen sie aber dessen Rechte“, betont Andrea Holz-Dahrenstaedt. Bestenfalls lassen die Workshops den einen oder anderen künftig nachdenken, bevor er Bloßstellendes hochlädt.

Den Teilnehmern gefallen jedenfalls die Workshops, die zudem als „Digitale Grundbildung“ angerechnet werden. Ein Ansporn ist, dass FS1, Radiofabrik und Webagentur die Beiträge veröffentlichen. Manch „Problemschüler“ bringt sich bestens ein. Da kommt es vor, dass am Workshop-Ende Lehrer sagen: „So habe ich den noch gar nicht gesehen.“

Von Sabine Tschalyj

Kontakt: www.medienwerkstatt-salzburg.at

Gratis-Kino der kija für Schulklassen am Weltkindertag: „Don’t talk to Irene“, Fr., 27.9, 9 Uhr, OVAL im Europark. Anmeldung: kija@salzburg.gv.at

Bild oben: Markus Weisheitinger-Herrmann (Projektleitung medien.werkstatt, FS1) und Carla Stenitzer (Ausbildungsleitung FS1 und Radiofabrik) öffnen für Schüler die Türen der Medienwerkstatt. Bild: FS1