Salafisten trainieren in Salzburgs Bergen

Ein Londoner Netzwerk verbreitet weltweit den fundamentalen Islam. Ein Team agiert in Österreich.

„Kevin wird Muslim, was nun?“ Ein kurzes Video zeigt im Zeitraffer die innere Läuterung von zehn jungen Männern, die zum Islam konvertiert sind. „Sie heißen Julius, Roland, Jonas und Michael. Germanisierung findet statt“, freut sich der Wiener Veranstalter auf Twitter über die deutschen Konvertiten.

Crashkurs für Konvertiten

Amir El-Shamy ist Generalsekretär des Österreich-Ablegers der Organisation Iman, die zur weltweiten Dawah-Bewegung gehört (Bekehrung zum Islam). Der viertägige Workshop, „nur für Brüder“, Unkostenbeitrag 50 Euro, fand Ende August 2019 irgendwo in Salzburgs Bergen statt. Die auf Facebook abgebildete Unterkunft dürfte im Tennengau liegen.

„Unser Feminismus stellt die Frage: Wie ist der Prophet mit seinen Frauen umgegangen?“ Amir El-Shawy, Iman Österreich

Das psychologisch ausgeklügelte Programm zielt auf die Erfahrung von Zusammengehörigkeit, Wertschätzung und Orientierung ab – Dinge, die jungen Menschen in der westlichen Konsumgesellschaft oftmals fehlen. Kevin berichtet nach dem Crashkurs von beglückenden Gefühlen, die er erlebt habe. Zum früheren Leben des sympathischen blonden Anlagenbauers aus Niederbayern gehörten Alkohol, Partynächte, Abhängen. Jetzt weiß Kevin, dass dies unislamisch und haram (schlecht) ist.

Lange Bärte und Milliarden

Das Seminar in den Bergen ist Teil des globalen Dschihads (Kampf, Anstrengung), mit dem seit den 1970er-Jahren infolge der Iranischen Revolution ein extrem reaktionärer Islam in die Welt getragen wird. Saudische Scheichs und Katar haben laut dem US-Außenministerium in zehn Jahren 130 Milliarden Dollar in diesen Kampf gepumpt. So flossen in die Errichtung von Schulen, Kindergärten und Moscheen in Bosnien Abermillionen und der Geist des Scharia-Islam. Der Dresscode dieser Ultras sind lange Bärte und wehende, kurze Hosen.

Bereits im Jänner kam ein Führungsteam der Iman-Bewegung nach Salzburg und hatte beim Canyoning in der Almbach-Klamm die Örtlichkeit erkundet. Darunter der Geschäftsführer der Dachorganisation Islamic Education and Research Academy (iERA) mit Sitz in London. Für die gemeinnützige GesmbH arbeiten 36 Außendienstmitarbeiter, intern „Reichweiten-Spezialisten“ genannt. Sie bauen örtliche Netzwerke auf, organisieren Trainingscamps und sammeln Spenden.

Seit 2011 flossen jährlich 660.000 bis 980.000 Pfund in die Islamisierungsfirma. Laut dem Jahresbericht 2018/19 ist man auf sechs Kontinenten aktiv, hat 391.239 Materialien verteilt und 4000 Menschen bekehrt. Priorität für Europa habe „der Aufbau einer muslimischen Infrastruktur in zwölf Ländern: Niederlande, Tschechische Republik, Deutschland, Schweiz, Österreich, Slowenien, Bosnien, Montenegro, Kosovo, Mazedonien, Serbien und Kroatien.“

Der Londoner Islam-Businessman Hamza Andreas Tzortzis, ein griechischer Konvertit, und Österreich-Agent Sertac Odabas in der Almbach-Klamm bei Hallein. Bild: Facebook

Die Agenten des Propheten sind in Österreich der türkischstämmige Iman-Geschäftsführer Sertac Odabas und Generalsekretär Amir El-Shawy. Der Floridsdorfer mit ägyptischen Wurzeln wurde einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, als er sich vom SPÖ-Jugendfunktionär und „Integrationsbotschafter der Republik“ zum religiösen Eiferer wandelte, der sich irgendwann weigerte, Frauen die Hand zu geben.

Antisemitisch, homophob?

Das akademisch gebildete Führungsduo ist auf Facebook und Twitter aktiv, führt einen TV-Kanal auf YouTube und macht Street-Dawa, wo Flyer verteilt und Passanten in Gespräche verwickelt werden, die mit geschickter Fragetechnik meist heillos in die Enge geführt werden. Nur ein 80-jähriger eloquenter Wiener drehte den Spieß um, übernahm die Gesprächsführung und meinte, er fühle sich vom politischen Islam bedroht.

Das Video wurde wurde mit einem Zitat des Mannes betitelt – „Ihr seid zurückgeblieben! Islam in Europa“ –, womit man den Vorwurf einer generellen Islamophobie bedient. In einem anderen Video geht es um Frauenrechte und den westlichen „Gleichheitsfeminismus“, der eine Verirrung sei. Während „unser Feminismus die Frage stellt: Wie ist der Prophet mit seinen Frauen umgegangen?“, wie El-Shawy erklärt.

Der Gründer der Islamischen Bildungsakademie, Anthony Abdurraheem Green, ein britischer Konvertit, steht dazu, dass er Bigamist mit zwei Ehefrauen (und zehn Kindern) ist. Dies sei durch Präzedenzfälle rechtlich gedeckt, so Green in der Monatsschrift „Islamic Voice“. Gegen Green und seine Bewegung wurde wiederholt der Vorwurf der Hassrede und der Verbreitung „antisemitischer, frauenfeindlicher und homophober Propaganda“ erhoben. Österreich-Iman distanziert sich in einer Online-Erklärung von jeder Gewalt und extremistischem Gedankengut. Odabas und E-Shawy reagierten auf Anfragen des „Fensters“ nicht.

Von Sonja Wenger

Am Bild: Trainingscamp mit jungen  Konvertiten im Tennengau: „Kevin wird Muslim.“ Bild: Facebook