Nachruf auf das Faxgerät

Ich hab mich ja noch nie so alt gefühlt wie an dem Tag, an dem ich meinen Kindern erklären wollte, was ein Faxgerät ist.

Dabei habe ich das Faxen geliebt! Wenn das typische Geräusch aus dem Büro erklungen ist, bin ich sofort raufgesaust, um zu schauen, ob die Nachricht vielleicht für mich ist. Und heute? Hab ich versucht, ihnen begreiflich zu machen, dass „wie aus einem Drucker“ was rauskam, das jemand „woanders“ durchlaufen hat lassen.

Karikatur Thomas Selinger. Bild: www.seli.at

Die haben genauso geschaut wie in den Momenten, in denen ich von Lexika erzähle oder Videokassetten. Große Augen, offene Münder, skeptisch hochgezogene Augenbrauen. „Wie konnte denn da ALLES Wissen drinstehen? Das passt doch da gar nicht rein“, fragen sie entgeistert, weil sie es eben gewohnt sind, dass man googeln kann – und was man nicht googeln kann, das gibt es nicht. Ist halt größer als ein Brockhaus-Band, dieses Internet.

Und wenn ich sage, dass man sich Filme ausgeliehen und nach dem Anschauen zurückgebracht hat, „und die musste man zurückspulen, sonst hat es mehr gekostet“, wundern sie sich: „Zurückspulen? Wohin?“. Ja, eh. Einmal, da waren sie noch klein, ist ihnen beim Spazierengehen am Wolfgangsee eine Telefonzelle aufgefallen, und sie haben gerufen: „Mama! Da steht ein Aufzug, wo fährt denn der hin?“

Heiliges Posaunenrohr, da hab ich natürlich gleich voller Begeisterung erzählt, dass man damit früher telefoniert hat und in einem fremden Land erst mal eine Karte kaufen musste, dass das Gespräch aber unterbrochen wurde, wenn die Karte leer war, dass man die wiederum später gesammelt hat, weil sie so schön bunt waren, und dann denkst du dir plötzlich: Jetzt ist es soweit. Jetzt höre ich mich an wie meine eigene Oma.

Jetzt hab ich diese Nostalgie in der Stimme und rede von Dingen, die nicht mehr existieren, wie unsere Großeltern, wenn sie vom Vierteltelefonanschluss sprechen und vom Waschen ohne Waschmaschine und vom Schulweg, den sie zu Fuß gehen mussten, mindestens 125 Kilometer in eine Richtung, bei jedem Wetter, auch bei Schnee, und ich werde wohl später meinen Enkeln zurufen: „Mein erstes Handy hatte ein Display, so groß wie ein halber Kinderfinger, und ich musste viermal auf die Neun drücken, um ein Z zu schreiben!“

Und dabei finde ich mich ja gar nicht alt, ich finde mich supercool. Nur bin ich da die Einzige, die so denkt, wie ich im Umgang mit Teenagern merke. Als wir fünfzehn waren, waren alle über dreißig quasi tot. Sollte ich also demnächst an Altersschwäche eingehen, erwarten Sie bitte, um der alten Zeiten Willen, meinen Nachruf per Fax.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at