3000 Meilen durch Brexitland

Eine Rundreise  durch England. Im Mietwagen von London an die Küste von Wales.

Von Salzburg nach Stansted mit Ryan Air, wo die Crew inzwischen sogar Glücksspiele verkaufen muss, um Umsatz zu machen. Wir nehmen uns einen Mietwagen, wollen Edleres sehen: Windsor Castle.

Die ersten Kilometer auf der linken Seite sind wahrlich stressig – man fuchtelt unbeholfen zwischen der Schaltung (nehmen Sie sich einen Automatik!), Ganghebel, Blinker und der Wasserflasche in der Konsole herum. Und dann die Kreisverkehre auf der Insel, drei- bis vierspurig geht es auf den Roundabouts dahin. Doch am Ende sollten es 3600 Meilen, fast 5800 Kilometer, werden: eine Rundfahrt von London nach Wales und zurück – mit vielen Ausflügen und etlichen Irrwegen.

Der erste führt in einen Vorort von London. Abblätternde Fassaden, Graffitis auf Rollläden und Hauswänden, verschleierte Frauen mit Kinderwagen, Halal-Food. Aber kein Windsor Castle weit und breit. Doch das Navi sagt: „Sie haben das Ziel erreicht.“ Windsor Castle, so sollte sich später herausstellen, ist der Name irgendeines Pubs in diesem Vorort. Nichts wie raus aus der Metropole!

Sanfte Hügel, Rassepferde und reiche Londoner

Weiter in die Cotswolds, eine Bilderbuchlandschaft im Herzen Englands. Sanfte Hügel, Schafe, Rinder und Rassepferde auf grünen Weiden. Viele wohlhabende Pensionisten und reiche Londoner haben sich in der Gegend niedergelassen. Hier stehen viele Porsche Cayenne und glänzende Rover vor den Landhäusern. Englands Landstraßen sind oft so eng wie bei uns ein Güterweg im Forst. Was am uralten System der Einfriedung mit Steinmauern und mannshohen Hecken liegt, mit der man Ländereien und Acker begrenzt. Oft bleiben nur ein paar Fingerbreit Abstand, wenn die Autos auf den schmalen Wegen aneinander vorbeifahren. Und jene, die das Schwarze Pferd im Wappen führen, warten nicht.

Die Tierliebe ist in England mindestens so verbreitet wie bei uns. Nicht wenig führen zwei bis drei Hunde an der Leine. In London und den Cotswolds sind es modische Hündchen, in der Industrieregion in Wales hält man sich in ärmlichen Siedlungen sogenannte Kampfhunde.

Von der Tierliebe ausgeschlossen sind jene Abertausenden Vögel, Hasen, Rehe, Füchse, die entlang der Schnellstraßen überfahren werden. Die Motorways sind ein wahrer Friedhof der Tiere. Niemand scheint die verunstalteten Reste aus Pelz und Federn wegzuräumen.

Autofreie City in Oxford: Es funktioniert

Oxford muss man gesehen haben. Allein wegen der historischen, autofreien Innenstadt, die man aus diversen englischen Serien kennt. Es gibt ein ausgezeichnetes Parkleitsystem für Touristen, das einen zwingend von jeder Einfallstraße auf einen Park&Ride-Platz führt. Dort fährt in kurzen Abständen ein Doppeldeckerbus ins Zentrum. Alles geht flott und funktioniert, das Tagesticket für eine Familie kostet rund 7 Euro.

Überall Extragebühren: Das nervt

Touristische Dienstleistungen sind in England extrem teuer. Vieles ist Abzocke, ständig wird man irgendwo „gecharged“, wird ein Deposit, eine Extragebühr verlangt. Das nervt und macht die Anbieter unsympathisch.

Allerdings ist London einzigartig, eine Stadt, die ihresgleichen sucht. London ist schnell, alle haben es eilig, doch – achten Sie darauf! – keiner rempelt einen an. Was man von österreichischen Städten nicht sagen kann. Mit der U-Bahn Tube kann man die Stadt spielend erobern, aber es herrscht extremer Dichtestress.

Die Londoner City ist der Tempel des reinen Luxus, den man in exklusiven Shops und in immer giantischeren Gebäuden zur Schau stellt. London war lange die Welthauptstadt des Finanzkapitals – mit dem Brexitchaos hat dies zu bröckeln begonnen.

In London wird Geld verbaut, um es anzulegen. Es ist eine Welt aus Stahl, Beton und Glas, in der Gebäudegalerien höher und breiter als Kirchenschiffe sind und man atemlos an turmhohen Wänden hochblickt. Der Shard ist mit 309 Metern der höchste Wolkenkratzer der EU. Lange haben die Investoren vom Reißbrett weggekauft und die Preise auf die Spitze getrieben. Jetzt ist das Kapital verunsichert. Auf das Versagen ihrer politischen Eliten spricht man die Briten besser nicht an. Es ist ihnen schlicht zu silly.

Von Sonja Wenger

Bildtext: In den Cotswold gibt es idyllische Dörfer mit alten Steinhäusern.  Bild: Sonja Wenger