Wie „sauber“ sind E-Autos?

In Sachen Elektromobilität tut Aufklärung not, findet der Porsche-Konzern. Die neue Erlebniswelt Mooncity soll dafür sorgen.

Jeder redet über Elektroautos, aber kaum einer kennt sich aus. So könnte man die Erfahrung von Leo Fellinger zusammenfassen. Er ist bei Porsche Salzburg für die Digitalisierung des Konzerns verantwortlich, nun hat er in dessen Auftrag mit Kollegen ein Erlebnis- und Kompetenzzentrum für Elektromobilität geplant. Im Dezember wird es am einstigen „Weltauto“-Stützpunkt an der Ecke Sterneckstraße/Vogelweiderstraße unter Fellingers Leitung eröffnen, der Name so visionär wie das Ziel: Mooncity.

Akzeptanz erhöhen

Erklärtes Ziel ist die Aufklärung, denn: „Die Begeisterung für Elektroautos in der Bevölkerung ist in den letzten Jahren gesunken, weil es viele Fragen gibt. Wie groß ist die Reichweite, wo kann ich tanken? Es heißt auch, die Batterien seien umwelttechnisch schlimmer als Dieselautos“, weiß Fellinger und resümiert: „Es gibt eine große Legendenbildung beim Thema Elektromobilität.“ Klar sei: Angesichts des Klimawandels bräuchten wir schnelle Lösungen. „Unser Konzern bekennt sich zu 100 Prozent zu den Pariser Klimazielen. Da ist die E-Mobilität derzeit alternativlos.“

Wie verändern sich Verkehrsströme, wenn man mehr Öffis einsetzt oder zu dritt im Auto fährt statt allein? Der Verkehrskonfigurator macht das sichtbar. Bild: ARCHIMEDES

Wer denkt, Wasserstoffautos seien die bessere Lösung, dem gibt Fellinger zu bedenken: Bis diese straßentauglich seien, vergingen noch viele Jahre. Und: „Manche sagen, sie wollen kein E-Auto, sondern warten auf ein Wasserstoffauto. Dieses ist aber, vereinfacht gesagt, ein Elektroauto mit kleinerer Batterie und einer Verbrennereinheit.“

Fehlinformationen zu beseitigen, sei aber zu wenig, man müsse Mobilität im Gesamten denken. Auch Elektroautos stünden im Stau. Fellinger hat die Mooncity daher gleichsam als „Haus der Natur der E-Mobilität“ konzipiert, es soll auch erfahrbar machen, wie Verkehr funktioniert. So wird es einen Verkehrskonfigurator geben, der simuliert, wie sich Verkehrsströme in Salzburg unter gewissen Voraussetzungen verändern: wenn man zum Beispiel mehr Öffis zusteuert.

Expertenvorträge und mehr

Wie werden wir künftig Mobilität leben, was passiert in anderen Ländern? Das sei hochinteressant für alle, ist Fellinger überzeugt. Deshalb organisiert er in der Mooncity ein Veranstaltungsprogramm mit Expertenvorträgen und Aktionen wie Repair-Cafés, um den niederschwelligen Zugang zu garantieren. „Alle Themen, die mit Nachhaltigkeit zu tun haben, sind für uns interessant.“

Es geht in der Mooncity schließlich nicht nur um Verkehr. Namensgeber Moon ist eine Marke der Porsche-Holding-Tochter Allmobil GmbH. Diese hat sich auf Ladelösungen für Elektromobilität spezialisiert, von der Wallbox inklusive Heimspeicher und Photovoltaikanlage bis zur Schnellladestation. In der Mooncity wird es dazu Beratung und Verkauf geben.

Als dritter Schwerpunkt wird eine Reparaturwerkstatt für Hochvolt-Batterien eingerichtet. Diese soll zum österreichweiten Kompetenzzentrum werden, die Langlebigkeit der E-Auto-Akkus steigern. Bislang werden kaputte Batterien zurück ins Werk geschickt, auch kann noch nicht jeder Schaden repariert werden.

Ob das Konzept der Mooncity aufgehe, werde man sehen. Für Fellinger steht fest: „Wir stehen in der Mobilität vor einer großen Wende. Sowohl öffentlicher als auch Individualverkehr sind große Errungenschaften unserer Gesellschaft, die uns viel Freiheit geben. Das Verteufeln des Verkehrs ist die falscheste Form. Er gehört gestaltet. Das ist nicht nur die Aufgabe der Politik, sondern auch der Unternehmen.“

Von Petra Suchanek

Hauptfoto: ZUCHNA

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