Weil es sich gut anfühlt

Eine Achtsamkeitslehrerin erklärt, was uns Achtsamkeit bringen soll. Bewusstes Atmen an roten Ampeln kann der Anfang sein.

Die Welt scheint immer hektischer und gefährlicher. Wie soll man da gelassen bleiben? Immer öfter hört man die Devise, achtsamer zu leben. Die Mattseer Achtsamkeitslehrerin und Krankenschwester Maria Eder rät: Termine auf die Hälfte reduzieren, an der roten Ampel durchatmen und mit allen Sinnen Geschirr spülen. Das hebe die Lebensqualität.
SF: Um Achtsamkeit ist eine ganze Industrie von Yoga über Slow Food bis zu Firmenseminaren entstanden. Geht es um mehr als Geschäftemacherei mit Esoterik?
Maria Eder: In unserer Zeit ist Geschäftemachen immer begleitend. Es gibt ein enormes Massenangebot an Esoterik. Dahinter steckt das Grundbedürfnis des Menschen, sich zu spüren. In der jetzigen Zeit leben wir sehr viel im Außen und nehmen wenig wahr, was sich in uns tut.
Wozu sollte man Achtsamkeit lernen? Seine Aufmerksamkeit auf den Moment zu legen, das kann doch jeder?
Ja, aber es kommt zu kurz. Wir müssen das Verweilen wieder lernen. Dafür brauchen wir Räume. Das geht mit Meditation, aber auch im Alltag.

„Wer achtsam ist, fühlt sich nicht so getrieben“, so Achtsamkeitslehrerin Maria Eder. Bild: privat

Wie kann man im Alltag achtsam sein?
Eine einfache Übung ist, wenn man beim Zähneputzen oder beim Autofahren an roten Ampeln immer bewusst zu atmen anfängt. Lenkt man die Aufmerksamkeit auf den Atem und nicht auf die Uhr, wird man ruhiger. Man kann auch so Geschirr abwaschen, dass es eine Art Meditation ist. Dafür wendet man dem Spülen die ganze Aufmerksamkeit zu, alle Sinne. Dann bleibt auch das Radio aus und man telefoniert nicht nebenbei.
Das klingt ein wenig langweilig.
Wir lenken uns dauernd ab, damit es ja nicht langweilig wird. Da kommt man aber gar nicht ins richtige Spüren hinein.
Was hat man davon, wenn man eine Tätigkeit richtig spürt?
Dass man mehr bei sich ist und in sein Inneres spüren kann. Man begegnet den alltäglichen Stresssituationen ruhiger und bekommt mehr Klarheit.

Was nehmen die Teilnehmer aus Ihren Achtsamkeitskursen mit?
Die meisten sagen: „Es fühlt sich gut an.“ Sie fühlen sich nicht mehr so getrieben.
Was treibt uns denn am meisten?
Der Alltag ist bei vielen sehr voll. Das Angebot, was man machen kann, ist sehr groß und unser Anspruch hoch, was wir mit unserer Zeit alles machen wollen.
Ihr Tipp?
Radikal ausmisten! Ich habe meine Termine, beruflich wie privat, auf die Hälfte reduziert. Man kann einen Achtsamkeitskurs besuchen. Oder öfter mal nichts tun, nur atmen, sich Leerräume schaffen. Das musste ich auch erst lernen. Aber es hebt die Lebensqualität enorm.

Von Sabine Tschalyj

Bild oben: Pixabay

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