Vorsicht, heiß und feministisch!

Es gab da diese Kolumne, nicht von mir, über einen Grillabend, bei dem die Männer Fleisch drehen und die Frauen Salate anrichten.

Eigentlich ging es um die „Rollenklischees“: dass die Männer das Geld heimbringen und die Frauen solange in ebendiesem Heim auf sie warten. Alles okay, wieso nicht, jeder darf, wie er mag! Mit dem Satz „Nicht jede Frau muss eine Emanze oder Feministin sein, um ihre Weiblichkeit zu demonstrieren“ hab ich allerdings Schwierigkeiten, denn Feminismus hat NICHTS mit Weiblichkeit zu tun, dafür sehr viel mit Grundrechten: auf Bildung und Bezahlung und Gleichberechtigung und Selbstbestimmung.

Karikatur Thomas Selinger. Bild: www.seli.at

Und klar können die Frauen bei besagtem Grillabend mit ihrer „traditionellen Rolle“ happy sein – sie haben das ja alles. Sie haben eine Ausbildung, sind selbstbestimmt und frei, denn sie sind weiß und europäisch, sie haben Zugang zu jedem Privileg: Reisefreiheit, medizinische Versorgung, Scheidung.

Und zwar, weil die Frauen vor ihnen jahrhundertelang darum gekämpft haben. Da kann man schon mal sagen, dass doch eh alles gut ist, wie es ist. Weil das ja auch stimmt! „Es gibt sie durchaus noch: Frauen, die mit dem Althergebrachten zufrieden sind“, heißt es in der Kolumne, und warum ist das so? Weil sie sich dazu ENTSCHEIDEN, diese Rolle auszuüben, während ihnen Alternativen offenstehen.

In der „althergebrachten“ Zeit, vor dem Kampf der Feministinnen, gab es für Frauen keine Alternativen. Und im Rest der Welt gibt es die auch heute nicht. Wenn du dir nicht aussuchen kannst, wen du heiratest und wie oft der dich verprügelt, wie viele Kinder du bekommst und ob du lesen lernen und Geld haben darfst, wie viel von deinem Gesicht zu sehen ist, ob du das Land verlassen kannst oder ebendiesen Mann, der dich behandelt wie seinen Besitz, weil du sein Besitz BIST, dann möchte ich mal sehen, wie „zufrieden“ du bist mit dem „Althergebrachten“.

Wir brauchen den Feminismus nicht (nur) für uns weiße europäische Frauen in Österreich, wir brauchen ihn für die ganze Welt. Wir brauchen ihn für unsere Schwestern, die nicht, wie es in der Kolumne heißt, „wie am Stammtisch“ mit den Männern über Rollenklischees schmunzeln können, weil sie nicht bei den Männern sitzen und keine Meinung haben dürfen.

Wir brauchen Gleichberechtigung, weil Frauen in zu vielen Ländern der Erde nichts wert sind. Weil sie nichts entscheiden können, nicht einmal, dass sie zuhause bleiben und für die Kinder sorgen WOLLEN. Wir brauchen neue Geschlechterrollen, weil die althergebrachten verdammt viel Leid und Ungerechtigkeit verursachen. Aber um das zu erkennen, muss man halt mal über den Grilltellerrand schauen.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at

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