Neuer Verein hilft Salzburgern in Not

Der SOSA-Flohmarkt in Lehen ist ein erster Schritt, um Armut und Einsamkeit zu lindern. Weitere folgen.

Sobald wir aufmachen, ist sofort was los. Die Menschen haben uns total gut angenommen“, sagt Susanna Pils. Dabei hat der SOSA-Flohmarktshop in der Scherzhauserfeldstraße 10 im Stadtteil Lehen erst Anfang August eröffnet. Pils bildet gemeinsam mit Ex-ÖVP-Gemeinderat und „Wärmestube“-Initiator Ernst Flatscher und dem Fotografen Josef Vitzthum das Herzstück des neuen gemeinnützigen Vereins „Die Sozialen Salzburger“, kurz SOSA. Dieser wurde mit dem Ziel gegründet, Salzburger Bürgern Hilfe zu leisten, wo der Staat „am Ende ist“.

Beim Besuch des „Fensters“ füllt sich der rund 75 qm große, zweigeteilte Raum im Souterrain schnell. Die Ware ist sauber und intakt, darauf legt man hier großen Wert. Geschirr, Kleidung, Spielzeug, Schuhe, aber auch nicht Alltägliches wie ein Mopedhelm und Musikboxen stehen in den Regalen ordentlich in Reih und Glied.

Flohmarkt als sozialer Treff – mehrere Shops sind geplant

Eine Familie mit Kleinkindern kauft eine Winterjacke. Ein junger Mann mit Baby in der Trage begutachtet Teller. Eine Frau zeigt stolz ihren Einkauf: Vier Keramikbecher und ein Mantel. „Der ist für meine Tochter“, strahlt sie. Sie sei gebürtige Slowakin, wohne gleich ums Eck. „Ich war schon fünf bis sechs Mal hier. Ich mag die Atmosphäre“, sagt sie. Ein älterer Mann erklärt: „Ich suche kaputte Armbanduhren. Die repariere ich und schenke sie weiter an Verwandte.“ Seit vierzig Jahren pflege er seine demente Frau, erzählt er, da brauche er die Bastelarbeiten, um ab und zu den Kopf freizukriegen.

Nur saubere und intakte Ware wird im SOSA-Flohmarktshop verkauft. Im Bild (v. li. im Uhrzeigersinn): Luise Wolf, Josef Vitzthum, Ernst Flatscher, Susanna Pils und Antonia Kohlendorfer. Bild: Petra Suchanek

Die Menschen stammen großteils aus der Nachbarschaft, weiß Susanne Pils. „Viele kommen, weil sie einsam sind und einfach plaudern wollen“, so Pils, deshalb backe sie immer Kuchen. „Manche erzählen dir Dinge, da kannst du nur den Kopf schütteln. Es gibt sehr schwere Schicksale.“ Pils betreut den Flohmarkt im Wechsel mit Josef Vitzthum, beide arbeiten ehrenamtlich (Öffnungszeiten & Kontakt siehe Info unten).

Der Flohmarkt sei nur ein erster Schritt, um Menschen zu helfen „und das anonyme Siedlungswesen aufzuweichen“, betont Ernst Flatscher. Der Raum wurde dem Verein von der Gswb zur Verfügung gestellt. Mit deren Hilfe möchte Flatscher auch in den großen Siedlungen in Liefering, Itzling, Maxglan und der Alpenstraße Flohmarktshops einrichten. Außerdem ist er auf der Suche nach Räumlichkeiten für eine Notschlafstelle, die noch vor dem Winter eröffnen soll, und einen SOSA-Markt, wo Bedürftige Lebensmittel und Waren des alltäglichen Gebrauchs günstig erwerben können. 120 bis 150 Quadratmeter solle der Raum haben, am besten in Lehen oder in einem der genannten Stadtteile – gegen keine oder geringe Miete. Er hofft auf die Hilfe von Unternehmen oder Hausbesitzern.

Weitere Räume und Helfer gesucht

Nun gibt es sowohl Notschlafstellen als auch einen Supermarkt für Bedürftige in der Stadt. Ist da noch Bedarf? „Auf jeden Fall“, sagt Flatscher. Von der „Wärmestube“, die Essen an Arme verteilt, wisse er: Die Menschen nehmen das Angebot seit Jahrzehnten ungemindert in Anspruch. Erschreckend sei, dass die Zahl der Jugendlichen, Senioren und Frauen, die kämen, „ordentlich zugenommen“ habe.

Für Weihnachten hat sich Flatscher einen besonderen Coup ausgedacht: Mithilfe von Sozialamt und Pfarrern möchte er Härtefälle in der Stadt ausfindig machen und diese mit Spenden von Unternehmen finanziell unterstützen. Fünf Firmen habe er bereits an Bord, eine Mindestsumme sei schon zugesagt. Der Verein hat also viel vor, daher brauche man noch ehrenamtliche Helfer, aber auch Geld- und Sachspenden sind erwünscht.

Den Flohmarkt sieht Flatscher als erste Keimzelle. Wie wichtig diese ist, weiß Anrainerin Antonia Kohlenberger. Sie war früher in der Hauskrankenpflege tätig und hilft stundenweise mit: „Es gibt hier viele Familien, die wenig Geld haben, und einsame Leute.“

Die Aktion hat noch eine gute Seite: Gebrauchtes landet nicht auf dem Müll. Peter Gabriel, „Vertrauensnachbar“ in der Scherzhauserfeldsiedlung, bringt Spielzeug und ein tadelloses Kinderfahrrad mit. „Unglaublich, was die Leute wegschmeißen. Das tut mir richtig weh“, empört er sich.

Luise Wolf wohnt nebenan, sie ist „Kundin der ersten Stunde“, auch sie bringt Sachspenden vorbei: ein Bügeleisen, eine Hose und einen Teppich. Ob Letzterer noch gut genug sei? Susanna Pils beruhigt sie. Sie wisse von einem Mann, der genau so etwas für seinen Hund brauche. Hier wird den Menschen wirklich zugehört.

Info & Kontakt

SOSA Flohmarkt: Jeden Do. und Fr., jew. 10 bis 18 Uhr, Eingang Scherzhauserfeldstraße 10, 5020 Salzburg; Kontakt: Tel. 0699-10147660 (Fr. Pils) oder Tel. 0680-2097737 (Hr. Vitzthum), https://die-sozialen-salzburger.business.site

Von Petra Suchanek