Duftige Zitronenmelisse für Schnelldenker

Zitronenmelisse verbessert die Gehirnleistung, erleichtert das Einschlafen und schmeckt ausgezeichnet.

Wenn sich die Zitronenmelisse einmal so richtig wohlfühlt, dann wuchert sie bis in den Herbst hinein vor sich hin und bringt sogar ihre zarten Blüten zum Vorschein. Der zitronige Duft zaubert den meisten Menschen ein Lächeln ins Gesicht, weil wir dieses Aroma, das so unvermittelt in die Nase steigt, so gerne mögen.

Pharmazeuten konnten eine schlafanstoßende Wirkung nachweisen. Die Zitronenmelisse ist also eine der vier einheimischen Heilpflanzen, die uns helfen, die Einschlafhürde zu überwinden. Dazu gehört zwar ein wenig Geduld, weil solche Schlafkräuter oft erst nach sechs oder acht Wochen anfangen zu wirken, aber das gehört wahrscheinlich auch zur Entschleunigung. Die drei Kollegen im Bunde sind Lavendel, Hopfen und Baldrian.

In einem alten Heilkundebuch aus dem 16. Jahrhundert wird die Zitronenmelisse als Geistesbeschleuniger beschrieben. Das ist doch was! Und tatsächlich haben Forscher festgestellt, dass dieses Kraut die Ausschüttung vom Botenstoff Acetylcholin fördert. Das ist genau jener Stoff, der bei Alzheimerpatienten in zu geringen Mengen vorhanden ist. Und was mich am meisten begeistert, ist die einfache Anwendung. In der erwähnten Studie haben die Teilnehmer jeden Tag einen Teelöffel getrocknetes Melissenpulver bekommen und dadurch hat sich die Gehirnleistung erheblich verbessert.

In der Volksmedizin gilt Zitronenmelisse von jeher als Arznei für alte Menschen. Die ätherischen Öle der Pflanze sind dabei wertbestimmend. Das Melissenkraut kann also mit heißem Wasser aufgegossen und zugedeckt nur kurz ausgezogen werden (3 Minuten). Oder in der Lieblingszubereitung der Innergebirgler als Ansatzschnaps oder Likör, da hält sich der Melissenduft noch besser als im getrockneten Kraut. Weil zum Glück lösen sich diese zitronigen, stimmungsaufhellenden Duftstoffe hervorragend in Schnaps. Kein Wunder, dass eine meiner Tanten nicht nur mit 83 noch Skifahren war, sondern immer einige Flaschen Klosterfraumelissengeist vorrätig hatte.

Karin Buchart

Karin Buchart, Kräuter- und Heilpflanzenexpertin, Ernährungswissenschafterin, www.buchart.at,
Kontakt: karin@buchart.at

 

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