Virtual Escape: Die imaginäre Zukunft retten

Seit März gibt es in Salzburg einen virtuellen Escape Room. Die Spieler können zwischen acht Welten wählen. Das SF war zu Besuch.

Wir befinden uns im Jahr 3007. Die Erde wurde zerstört, wir sind die letzten Überlebenden. Doch wir haben die Chance, die Apokalypse rückgängig zu machen – aber dafür nur 44 Minuten Zeit. Der Countdown läuft.
Was kaum nachvollziehbar klingen mag, war für die Spielerinnen im virtuellen Escape Room Realität. Sobald die Datenbrille aufgesetzt war, befanden sie sich nicht mehr im vierten Stock der Bergstraße 22. Sondern in der Zukunft. Bereit sich zu befreien, um die Welt zu retten. Julian Ronacher hat den virtuellen Escape Room vor einem halben Jahr in Salzburg eröffnet. Der gelernte Mathe- und Physiklehrer stieß während eines Besuches in Wien auf die virtuelle Version des Abenteuerspiels und setzte sie daraufhin in Salzburg um.

Das Team von Virtual Escape: Julian Ronacher und Marcel Stöckl. Am Bildschirm können sie verfolgen, was die Spieler durch die VR-Brille sehen und Tipps geben. Bild: Anna Boschner

Acht verschiedene Welten

Der Unterschied zum bekannten Escape Room? „Die Spieler müssen sich nicht durch Rätsel aus einem geschlossenen Raum befreien. Stattdessen tragen sie VR-Datenbrillen.“ Das Spiel findet demnach in einer am Computer erschaffenen Umgebung statt. „Für die Ausrüstungen investierte ich bisher 30.000 Euro“, sagt Ronacher. Mit im Team: Sein ehemaliger Schüler Marcel Stöckl. Die beiden Salzburger starteten im März mit zwei Spielen. Mittlerweile können sie in zwei Räumen acht virtuelle Welten anbieten. Für Anfänger seien die Spiele „Escape The Lost Pyramid“ – auf der Suche nach dem Schatz muss der richtige Weg an die Spitze einer Pyramide gefunden werden – und „Huxley“ geeignet.

Die SF-Redakteurin und ihre Begleiterin entschieden sich für das Letztere. Erfahrungen im Escape Game sowie im Umgang mit VR-Brillen hatten beide Spielerinnen bisher nicht. Doch die Brille ist schnell aufgesetzt und Ronacher erklärt die Funktion der zugehörigen Controller. „Der wichtigste Knopf befindet sich auf der unteren Seite. Damit könnt ihr Gegenstände greifen und bewegen. Vergesst das nicht!“
Vor den Augen der Spielerinnen ist nun alles schwarz. Ronacher führt sie in den angrenzenden Raum. Sie kennen ihre neue Umgebung nicht und dank der Brille ist die reale Welt nicht zu sehen. Das Spiel lädt, Avatare sind zu wählen. Und es beginnt.

Wettlauf mit der Zeit

44 Minuten später dürfen die Brillen abgenommen werden. Gefühlte Spieldauer: zehn Minuten. Die Spielerinnen lösten Rätsel, befreiten sich aus einem Labyrinth, trafen mit bunten Glaskugeln Ziele in der Luft, lenkten Laserstrahlen durch den Raum und bewegten sich in einem alten Fabrikgebäude mittels Aufzug von Stockwerk zu Stockwerk.
Während der letzten Aufgabe steigt noch einmal der Puls, die Hände schwitzen. Die Mission ist nur dann erfolgreich beendet, wenn die vorgegebene Spielzeit eingehalten wird. Es war knapp: Nur wenige Sekunden langsamer und sie hätten in der virtuellen Welt versagt. Kaum zu glauben, dass sich die Spielerinnen, während sie all dies erlebten, in einem kahlen Raum befanden.

Der virtuelle Escape Room im SF-Check. Zu Beginn fällt die Orientierung schwer. Was ist zu tun? Bild: Virtual Escape/Ronacher

Anna Boschner