Laufener Landweizen: Ein Wunder aus 40 Körnern

Wie der alte Laufener Landweizen – einst der Weizen der Wahl im Salzburger Erzbistum – gerettet wurde.

Arten sterben? Ja, leider. Aber manchmal gelingt es, eine Pflanze zu retten, wider alle Wahrscheinlichkeit. Der Laufener Landweizen ist so ein Fall.
Sein zweites Leben begann mit nur 40 Getreidekörnern, weniger als eine Handvoll. Eine Genbank in Norddeutschland hatte das Päckchen an die Naturschutz-Akademie nach Laufen geschickt, wo Heinz Marschalek die Art auf einer Versuchsfläche anbaute und vermehrte. 2012 dann war genug Saatgut da, dass Biobauer Manfred Eisl auf der Salzburger Salzachseite in St. Georgen bei Oberndorf das Getreide anbauen konnte. Der Laufener Landweizen war einst im Salzburger Erzbistum der Weizen der Wahl, dann verschwand er – nun war er zurück im Geschäft.

Wir besuchten Eisl eine Woche vor der Ernte. Gut einen Hektar hat er ausgesät, aber die Halme stehen nicht so dicht wie normal in einem Kornfeld, das verträgt die alte Art nicht. Dadurch ist Platz für Ackerkräuter: Kornblumen leuchten, auch winzige Veilchen. Bis zu 70 verschiedene Pflanzen haben Biologen gezählt. Ökologisch gesehen bildet Landweizen keine Monokultur-Wüste, er lässt Lebensraum für Insekten, Vögel – sogar Rebhühner. Und die Ähren zeigen tatsächlich ein sattes Gold, wie früher in Liedern besungen.

Nun muss sich eine gerettete Art auch wirtschaftlich behaupten können. Der Landweizen erbringt nur halb so viel Ertrag wie konventioneller Weizen. Das war ja der Grund, weshalb nach Jahrhunderten des Anbaus die Bauern nach dem Krieg auf die neuen Turbo-Sorten umstiegen. Sorten, die man nur auf Menge gezüchtet hat, Geschmack war egal. Wobei dieser Weizen oftmals unreif geerntet wird, was die steigende Verbreitung von Allergien erklären könnte. Laufener Landweizen hingegen wird meist gut vertragen. Und die alte Art wächst höher als die Turbo-Konkurrenz. In Bio-Höfen, wo das Stroh als Einstreu genützt wird, ein Vorteil.

Der Vorkoster hat im bayerischen Surheim bei Michael Wahlich eingekauft, der hat als erster Bäcker das Mehl verbacken. Helles Gebäck aus konventionellem Weizen schmeckt ja gern nach gar nichts, einfach nur fad. Landweizen-Gebäck jedoch zeigt Aroma, nussig könnte man das nennen. (Womit klar wird, weshalb sich der Vorkoster über das neue-alte Getreide freut). Spitzenkoch Andreas Döllerer aus Golling preist den angenehmen Geschmack. Und damit sind Kunden auch bereit, mehr Geld für Landweizen-Produkte auszugeben – wenn dazu noch die regionale Herkunft betont wird.

Es ist für solch eine Artenrettung aber mehr nötig als Begeisterung. Es braucht eine wissenschaftliche Begleitung, die forscht und herausfindet, dass tatsächlich die Körner viele Vitamine und Spurenelemente enthalten. Es braucht Müller, die die alte Sorte artgerecht mahlen können. Es braucht die Politik, die ein Interreg-Projekt finanziert. Was mit 40 Getreidekörnern begann, wird heuer von 28 Bio-Bauern im bayerischen Rupertigau und im Salzburger Alpenvorland auf 53 Hektar angebaut. Ein Dutzend Bäckereien führt Brot und Gebäck. Auch Brauereien zeigen Interesse.

Die Konsumenten entscheiden kaufend, ob und wie es mit dem wundersamen Aufstieg des Laufener Landweizens weitergeht.

Heidi und Manfred Eisl, Bio-Bauernmarkt Aglassing, Wimpassing 2, 5113 St. Georgen bei Oberndorf, Tel. 06272/7541, www.biomarkt-aglassing.at

Am Foto: Biobauer Manfred Eisl mit seinem Laufener Landweizen. Bild: Vorkoster