„Dieser Typ Mann kommt immer durch“

SF-Zuckergoscherl legt neuen Roman vor: „Das Licht ist hier viel heller“.

Mareike Fallwickl nimmt als SF-Zuckergoscherl kein Blatt vor den Mund. Und ebenso wenig als Autorin. Das bestätigt sich in ihrem neuen Roman „Das Licht ist hier viel heller“, in dem sie Alltagssexismus, das „Schlachtfeld“ Familie, das, was Menschen einander so antun, thematisiert. Erschienen ist das Buch vergangenen Freitag in der Frankfurter Verlagsanstalt.

Ihr Roman „Dunkelgrün fast schwarz“ verkaufte sich 15.000 Mal, nun legt Mareike Fallwickl mit „Das Licht ist hier viel heller“ nach. Bild: Gyöngyi Tasi

SF: Dein Protagonist, der abgehalfterte Autor Wenger, ist ein klassischer Fall für die #metoo-Debatte. Ein heikles Thema zum Schreiben?
Mareike Fallwickl: #metoo ist ein abgenutztes Schlagwort, da steckt man schnell in einer Schublade. Das Buch ist 2017 entstanden, ich habe es geschrieben, während die #metoo-Debatte losgegangen ist. Es ist tatsächlich sehr davon beeinflusst. Das war am Anfang gar nicht so geplant. Da dachte ich dann selbst: Uh, das nimmt eine heftige Richtung (lacht).

SF: Ich könnte mir vorstellen, dass manche Männer das Buch nicht so gut aufnehmen.
Mir ist bewusst, dass es polarisieren wird. Es werden Männer sicherlich ganz anders lesen als Frauen. Es ist auf gewisse Art sehr schonungslos. Der Wenger ist exemplarisch für einen Typ Mann, eine Generation von Männern. Der meint das gar nicht bös’, er ist so sozialisiert. Für ihn ist es ganz normal, dieses leicht Sexistische, diese Zoten, das Witzige. Die Rückmeldungen bis jetzt sagen, der ist so aus dem Leben gegriffen. Jeder kennt so jemanden!

SF: Als der Wenger öffentlich mit seinem Sexismus konfrontiert wird, kann er sich herauswinden.
Diese Männer, diese Politiker, Berühmtheiten kommen immer damit durch. Immer. Der Witz ist: Das passiert genau auf solchen öffentlichen Bühnen. Jeder schaut zu, jeder weiß es, aber er kommt trotzdem damit durch. Auch wenn es ihm im Inneren eh nicht so gutgeht: Nach außen hin sind das diese aalglatten Männer, die in die Kamera grinsen und jeder denkt sich: du Sauhund! Trotzdem prallt das letztlich alles an denen ab, sie stehen am Ende reingewaschen da.

SF: Die Familien in deinen Romanen sind auch ziemlich kaputt. Warum?
Sind glückliche Familien in der Literatur interessant? Es ist in dem Fall weniger die Dynamik wie beim vorigen Buch, sondern eine ganz normale Lieblosigkeit. Sie vernachlässigen die Kinder ja nicht, sie tun ihnen auch nichts an. Es ist ein jahrelanges Nebeneinanderher-Existieren. Die Kinder sind halt da. Ganz ehrlich, ich denke, dass das oft der Fall ist.

SF: Warum wohnen die unsympathischen Männer bei dir alle in Hallein?
(lacht). In diesem Roman ist der Ort nicht so ausschlaggebend wie im letzten. Es ist nur die Kulisse. Ich schreibe auch nicht, wo Wengers Wohnung genau ist.

SF: Du sagst, du willst mit deinen Büchern unterhalten.
Ich finde, es hat schon einen Witz, oder (lacht)? Es ist viel österreichischer, bissiger und sarkastischer als der erste Roman.

SF: Dieser hat sich 15.000 Mal verkauft. War da der Druck fürs neue Buch groß?
Beim Schreiben war er nicht groß, weil da „Dunkelgrün fast schwarz“ fertig, aber noch nicht erschienen war, weil die Verlage so eine lange Vorlaufzeit haben. Natürlich besteht jetzt der Druck, wenn es erscheint.

SF: Hat sich etwas verändert, seit du bei einem renommierten Verlag schreibst, deinen Traum erfüllt hast?
Es ist tatsächlich sehr, sehr, sehr viel Arbeit (lacht). Wenn ich gewusst hätte, dass es zwanzig Jahre braucht, in denen ich so viel üben und scheitern muss, weiß ich nicht, ob ich das durchgedruckt hätte. Aber ich genieße es, das will ich gar nicht kleinreden.

SF: Du wohnst mit deiner Familie in Hof. Sprechen dich die Leute darauf an?
(lacht). Naja, das ist mehr so die Mama-Kind-Blase, man kennt mich von Schule, Kindergarten, Feuerwehrfest. Wenn mich wer anspricht, zuhause oder in der Stadt, dann wegen dem „Zuckergoscherl“. Das sind sogar überraschend viele. Ich finde das super, weil ich sehe, yeah, die Kolumne geht nicht ins Leere.

SF: Was wünscht du dir für dein neues Buch?
Mir ist bewusst, dass es im Endeffekt „nur“ ein Unterhaltungsroman ist. Aber wenn es gelingt, dass auch nur ein paar Leser aufhorchen, wütend werden, nachdenken anfangen – und die ersten Reaktionen zeigen, dass das passiert –, dann ist das schon viel, was ein Roman erreichen kann.

Buchpräsentationen
  • 13. September, Salzburg, 19.30 Uhr, Buchhandlung Stierle, Österreichpremiere
  • 4. Oktober, Thalgau, 19 Uhr, Bibliothek
  • 10. Oktober, Hallein, 19 Uhr, Stadtbücherei / Buchhandlung Leseträume
  • 11. Oktober, Obertrum, 19.30 Uhr, Bibliothek
  • 26. November, Salzburg, Literaturhaus

Von Petra Suchanek

 

Hauptbild: Gyöngyi Tasi

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