Verein View: Werft kein Essen weg!

Schokolade, Joghurt, Riegel: Der Verein View rettet noch genießbare Lebensmittel vor dem Müll. Firmen profitieren.

Rote und braune Kisten, gefüllt mit Nougatpralinen warten auf der Laderampe von Salzburg Schokolade. Die Süßigkeit kann nicht mehr verkauft werden, da ihr Haltbarkeitsdatum nicht mehr weit genug in der Zukunft liegt. Dennoch landen die Pralinen nicht im Müll. Der Verein View (Verein Initiative Ethisch Wirtschaften) holt sie ab und verteilt sie an karitative Einrichtungen. Neben Salzburg Schokolade geben 30 bis 40 weitere Unternehmen in Salzburg überschüssige Ware an View weiter und sparen damit jede Menge Ressourcen: 500.000 Kilo unverkäufliche, aber noch genießbare Lebensmittel rettete View seit der Vereinsgründung vor zwölf Jahren. Und dennoch: Laut einer FAO-Studie der UN landen weltweit 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel pro Jahr im Müll, die noch genießbar wären. Die Boku Wien hat zudem berechnet, dass allein in Österreich jährlich 157.0oo Tonnen verpackte und unverpackte Lebensmittel sowie Speisereste weggeworfen werden.

Firmen sparen sich die teure Müllentsorgung

Dagmar Niederstätter und Horst Badzong stapeln die Nougatpralinen bis unter das Dach des Kleinbusses mit dem sie gekommen sind. Sie sind ehrenamtliche Mitarbeiter von View. Ein bis zwei Mal pro Woche fahren sie zu den teilnehmenden Salzburger Unternehmen. Damit werden aber nicht nur Lebensmittel vor dem Müll gerettet. Für die Firmen bietet deren Abholung Kostenvorteile, sie sparen sich die oftmals teure Müllentsorgung.

Dagmar Niederstätter und Horst Badzong sind ehrenamtliche Mitarbeiter von View. Bild: Anna Boschner

Essen bekommen 50 karitative Einrichtungen

Salzburg Schokolade hat den Ehrenamtlichen an diesem Tag derart viele Kisten auf der Rampe bereitgestellt, dass eine Fahrt nicht ausreicht. Niederstätter und Badzong werden wiederkommen, um den Rest abzuholen. Danach ist ihr Arbeitstag noch nicht zu Ende. Denn anschließend geht es an das Verteilen der Schokolade. „Auf unserer Liste stehen heute zum Beispiel das SOS Kinderdorf und Vinzitisch.“ Für die Firmen sind jene Lebensmittel, die der Verein erhält, unverkäuflich. Zum Beispiel aufgrund eines Produktionsfehlers, einer beschädigten Verpackung oder eben, da das abgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum naht. „Dennoch sind die Waren oft noch über ein halbes Jahr haltbar“, sagt Badzong. Der Salzburger arbeitet seit zehn Jahren für den Verein. View beliefert etwa 50 gemeinnützige Einrichtungen in der Umgebung. Salzburg Schokolade ist eines von 30 bis 40 Unternehmen, die mit View zusammenarbeiten. Andere Beispiele sind Pinzgau Milch, Gittis Naturprodukte, Innocent und Nannerl. Der Kopf des Vereins ist Doris Kiefel. Sie hat View gegründet und organisiert die Lieferungen. „Sobald wir von einem Unternehmen Bescheid bekommen, wann und wie viel überschüssige Ware bereitsteht, informiere ich alle karitativen Einrichtungen.“ Diese bestellen dann genau so viel, wie sie benötigen. Damit wird gewährleistet, dass keine Organisation mehr erhält, als gegessen werden kann. View sei damit mehr als ein Sozialverein. „Wir vermitteln Werte und nutzen die Vorbildfunktion von Unternehmen, welche sich positiv auf jeden Einzelnen auswirkt.“ Das Ziel von View sei es nicht nur die Lebensmittelverschwendung von Unternehmen zu minimieren, sondern auch Privatpersonen zum Umdenken anzuregen.

Verein sucht dringend mehr Mitarbeiter

View hat derzeit etwa 20 ehrenamtliche Mitarbeiter und sucht dringend weitere. „Uns fehlt zum Beispiel jemand, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit und die Kommunikation über soziale Medien kümmert.“ Kiefel denke, dass dafür nur wenige Stunden pro Woche nötig wären. „Mit zwei Stunden wäre mir schon sehr geholfen. Ich freue mich aber selbstverständlich auch über mehr Hilfe.“ Außerdem brauche der Verein wochentags weitere Fahrer und Beifahrer, um die Lebensmittel von den Unternehmen abzuholen und anschließend an die karitativen Einrichtungen zu verteilen.

Info: www.view-salzburg.at

Tel. 0664-373 86 82.

Anna Boschner