Mandy and Mary, zwei Engel von der Insel

Engländerinnen retten den Urlaub zweier Salzburger Touristinnen.

Es ist eine Geschichte, die von  Frauen handelt – und der beherzten Tatkraft, die dem weiblichen Geschlecht seit jeher zu eigen ist.
Die Autorin dieser Zeilen unternahm mit ihrer 14-jährigen Tochter eine Reise nach Großbritannien. Ein echter Road Trip sollte es werden,  von London zur Küste in Wales und zurück, durch idyllische Grafschaften voll glücklicher Schafe, Rinder und Pferde auf grünen Weiden und Menschen mit mindestens zwei, drei Hunden an der Leine.

Zwei Ladies finden eine Geldbörse

Man fährt also seine ersten Meilen „links“, angespannt, konzentriert, nervös, man hadert mit den Schalthebeln, und dann klingelt auf dem  Motorway M40 auf der Fahrt zur ersten Unterkunft auf einmal das Handy auf dem Rücksitz. Einmal, zweimal, lange und eindringlich.
Beim Stopp an der nächsten Abfahrt –  im Brexitland gibt es keine Pannenstreifen – fordert eine Kollegin der Salzburger Nachrichten, die dort gerade Spätdienst schiebt, in einer rasch formulierten SMS mit drei Rufzeichen, eine bestimmte  Nummer anzurufen: „Deine Tasche wurde gefunden…“ Zwei englische Ladies haben die Kettenreaktion ausgelöst: Mandy Smith und ihre Freundin Mary aus Whitestable in Kent. Sie haben im Starbucks Coffee an einer Raststätte die Geldtasche der österreichischen Ladies gefunden, vergessen auf einem Stuhl, darin Geld, Führerschein, e-Cards, Bankkarten. Und Mandy (51) und Mary (50) haben über die Ausweise und das Internet die Besitzerin ausfindig gemacht. „Ich habe den Verlag angerufen, nach der Handynummer gefragt und über WhatsApp kommuniziert. Wir haben noch gelacht, weil wir uns wie zwei Detektive vorgekommen sind“, schildert Marketingfachfrau Mandy.

Sie telefonieren nach Austria

Mandy und Mary hatten beruflich in Shakespeares Geburtsstadt Stratford Upon Avon zu tun und befanden sich auf dem Heimweg, als sie die Geldtasche im Kaffeeshop fanden. Mehr als eine Stunde warteten die  Freundinnen  vor  der Raststätte, um die Geldbörse der  überglücklichen Besitzerin persönlich zu übergeben. Alle Umstände – die beiden kamen mit großer Verspätung nach Hause – nahmen die englischen Ladies mit dem bekannten britischen Understatement.

Sonja Wenger
sonja.wenger@svh.at