„Fahren morgen zurück. Brauche dann Urlaub“

Ich hab mich so auf die Ferien gefreut! Zuletzt hab ich den Schulschluss derart herbeigesehnt, als ich selber noch ein Kind war. Endlich nimma um 6.00 Uhr aufstehen, hab ich gedacht, keine Jause mehr machen, keine Hausübung, nicht mehr Ansage üben, stattdessen neun Wochen FREIHEIT! Also sind wir, wie Familie Österreicher das so macht, quasi raus aus der Schule, rein ins Auto und ab in den Urlaub gedüst – auf die Preise in der Nebensaison kann man mit Schulkindern eh nur mehr weinend rüberschielen.

Der erste Urlaubstag war fantastisch, denn statt ins Elternheft hab ich rausgeschaut aufs Meer. Der zweite Urlaubstag war auch noch großartig, weil so ein Tapetenwechsel immer gut tut, und am dritten Urlaubstag ist mir eingefallen, dass man sich ja gar nicht entspannen kann, wenn man Kinder hat. Anscheinend hab ich das zwischen Sommer 2018 und Sommer 2019 vergessen, oder vielleicht hat mein Gehirn die Traumata der Vergangenheit gnädig verdrängt. Urlaub mit Kindern bedeutet nämlich: Man macht genau dasselbe, was man immer macht – nur halt woanders. Man steht viel zu früh auf, schlichtet Streit, schmiert die Kids von Kopf bis Fuß mit Sonnencreme ein, während sie jammern, versorgt sie mit Frühstück, Snack, Jause, Mittagessen, Jause, Snack, Abendessen, macht einen Ausflug, spielt UNO, schlichtet Streit, geht mit ihnen auf die Wasserrutsche, ermahnt sie, dass sie im Gasthaus nicht so brüllen sollen, spielt nochmal UNO, macht einen anderen Ausflug, hält ständig die Augen nach ihnen offen, damit sie nicht im Wasser untergehen, lässt sie irgendwann am iPad was anschauen, damit man sich mal vier Minuten mit einem Buch hinsetzen kann, tupft Fenistil auf ihre Mückenstiche, atmet abends auf, wenn sie endlich schlafen, ist aber selber so fertig, dass man eh nichts mehr tun kann – außer ebenfalls ins Bett zu kippen. Im Urlaub mit Kindern kommt man nicht zur Ruhe. Und das ist ein grandioses Abenteuer, aber es ist halt auch anstrengend. Vor allem, weil man ja mit leerem Akku in den Urlaub fährt – und dort feststellt, dass man ihn nicht g’scheit aufladen kann. Ungewohnt ist es zudem, 24 Stunden nonstop zusammenzukleben – für alle Beteiligten. Da merkt man dann erst wieder, wie laut der Ehepartner eigentlich atmet. Zum Glück hört man das aber meistens nicht, weil die Kinder so schreien. Auf die Frage, wie die Reise war, hab ich deshalb geantwortet: „Es gab auch schöne Momente.“ Jedenfalls sehne ich mich seit dem Urlaub jetzt sehr nach Urlaub.

Mareike Fallwickl ist
Texterin und Autorin.
Mail: interaktiv@svh.at

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