Wohin mit den Kindern?

Letztens hab ich in einem Café angerufen, um einen Tisch zum Frühstücken zu reservieren – für eine Freundin und mich.

Sie hat drei Kinder, ich zwei, ich sage also zu dem Café-Menschen am Telefon: „Für sieben, bitte“, er fragt: „Wie viele Erwachsene?“, ich antworte: „Zwei.“ Die anschließende Stille war sehr lang. Ich konnte ihn quasi denken und innerlich seufzen hören. Zu wissen, dass man nicht willkommen ist, wenn man Kinder dabeihat, ist ein Scheißgefühl. Dabei hatten wir eh schon hin und her überlegt, wo wir überhaupt hingehen sollten, ich hatte extra nochmal gegoogelt in der naiven Hoffnung, in Salzburg hätten über Nacht ein paar neue kinderfreundliche Lokale aufgemacht.

Karikatur Thomas Selinger. www.seli.at

Den Tisch haben wir trotzdem bekommen, den Schimpf auch: Ein entspanntes Frühstück war das nicht, obwohl unsere Kinder mittlerweile zwischen fünf und acht Jahre alt sind. Sie werfen nicht mehr alles, was sie erreichen können, vom Tisch auf den Boden. Sie rennen nicht brüllend herum und werfen sich nicht trotzend vor Erwachsenenfüße. Sie haben auch nichts kaputtgemacht. Die Kellner waren aber halt einfach prinzipiell genervt von ihrer Anwesenheit. Die Kinder wurden angefaucht, dass sie die Plastikblumendeko nicht berühren dürfen, nicht durch die Scheibe vom Spielzimmer schauen sollen, und natürlich fiel mehrmals der klassische Satz: „Das ist kein Spielplatz hier!“

JA, EH! Aber wo kann man denn hin, sobald man Kinder hat, wo darf man sich bitte noch blicken lassen? Sind Kinder nur in Restaurants geduldet, wenn sie still auf ein elektronisches Gerät starren? Im Anschluss an das stressige Frühstück bin ich mit meinen zwei in den Europark gefahren, sie haben ihre Weihnachtsgutscheine in Bücher investiert. In einem Kleidergeschäft wollte ich noch schnell eine Hose holen, das hätte keine fünf Minuten gedauert, nicht mal anprobiert hätte ich sie, ich hätte sie nur finden müssen. Die Kinder haben sich leise in eine Ecke bei den Umkleiden gesetzt, um in die neuen Bücher zu schauen, wurden aber auf der Stelle von dort verjagt. Außer uns war niemand im Laden, der sich hätte gestört fühlen können. Ziemlich hilflos standen sie ganz starr mitten zwischen den Klamotten, und ich war plötzlich so müde. So erschöpft und resigniert, nicht einmal wütend.

Es tut mir leid, dass Kinder ständig als Störfaktor gelten und wahrgenommen werden. Dass sie angeschnauzt und weggeschickt werden. Dass sie vermittelt bekommen: Du bist hier nicht erwünscht. Und hier auch nicht. Sei nicht so laut. Sei nicht so lustig. Sei kein Kind!

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at