Eine Motohall und ein Wunderwuzzi

Wieso eine Mattighofener Erlebniswelt in Hallein Wehmut auslöst. Und auch Feinschmecker jetzt neugierig auf KTM sind.

Eine Nachricht, die man in Hallein mit Wehmut hörte: KTM, der größte Motorradproduzent Europas, hat im Innviertel eine Zweirad-Erlebniswelt geschaffen, die Motohall – „unsere Kathedrale, unser heiliger Gral“, wie Firmenchef Stefan Pierer schwärmte. Eine 35-Millionen-Euro-Investition, die heuer noch 50.000 Besucher anziehen soll. Aber eben in Mattighofen.

Bild: www.garage-mattighofen.com

Was das mit Hallein zu tun hat? Man muss nur die Abkürzung KTM auflösen: Kronreif (Ernst) Trunkenpolz (Hans) Mattighofen. Und Gründer Ernst Kronreif war nach dem Krieg Wirt im Hohlwegwirt Hallein-Taxach. „Meine Mutter Ida kochte und mein Vater Ernst hielt mit Familiengeld KTM am Leben“, weiß Sohn Ernst Kronreif, heutiger Hohlwegwirt. Er hält im Haus ein Erinnerungseck in Schuss mit Oldtimer-Motorrad und alten Fotos von Zweiradrennen. Aber die heute mächtige Firma entstand weit weg im Innviertel.

Nun ist der Vorkoster kein Motorsportfan. Als der liebe Gott den Männern das Wrummwrumm ins Hirn pflanzte, hat er ihn übersehen. Was ihn nach Mattighofen lockte, war das Hinterher: Die Gastronomie der Motohall übernahm Stefan Brandtner. Richtig, das ist der heute 44-jährige Salzburger, den „Falstaff“ zu Österreichs innovativstem Gastronomen kürte. Zuvor hatte er Salzburgs erste (und letzte) Pop-up-Restaurants gegründet: Brandtner 63 im Gusswerk, Brandtner und seine Leit im Glockenspiel und Brandtners Mithridat im Nonntal (das heute als Paradoxon weiterlebt). Alles gute Lokale auf Zeit, die durch ihre geplante Endlichkeit einen enormen Sog aufs Publikum ausübten.

Nach Jahren der Pause parkt er seine Harley-Davidson jetzt bei KTM. Nun erfreut die Motohall (10 Euro Eintritt) mit außergewöhnlich schwungvoller Architektur, die Schau ist hochprofessionell gestaltet und wer Rennmotorräder schätzt, wird ins Schwärmen kommen. Als sich Hunger einstellte, wechselten wir über den Vorplatz in die Garage, so nennt Brandtner sein Lokal. Puristische Einrichtung, Formensprache einer Werkstatt. Wie legt es der gastronomische Wunderwuzzi an? KTM ist international, steht für Rasanz, also Fast Food? Fast.

Natürlich gibt es einen Burger (€ 14,90), 180 Gramm Rind, keine Fettsoße, dafür resche Sesam-Semmel, frisches Grün, durchaus akzeptabel. Besser die mediterrane Fischsuppe (€ 5,80), aromatisch der Sud, bissfest das Gemüse, reichlich Fisch und Garnelen. Die gibt es auch knackig in Tempura-Teig mit Salat. Spezialität hier sind Toasts – worunter man sich nichts Flach-Englisches vorstellen darf, sondern eigens gewürzte, knusprig in Öl gebackene Weckerl mit Zuspeise. Beispielsweise gebratenen Oktopus und Avocado (€ 13) oder schwarze Bohnen und Burrata (€ 11,50), bunt garniert und wohlschmeckend, weil frisch bereitet. Etwas süß dann die Waffel, zu der man sich Eis und Toppings aussuchen kann (€ 9,50).

Das Essen war attraktiv konzipiert, passend zur Marke KTM. Brandtner aber will ab Herbst Tiefenpsychologie und Theologie studieren. Dann ist sein Entwickler-Job wohl vorbei. Wir fanden in der Motohall auch ein Foto von Ernst Kronreif – der Halleiner, der den Aufschwung in Mattighofen möglich machte.

Garage, Stadtplatz 57, 5230 Mattighofen, Tel. 07742/59000, www.garage-mattighofen.com