Faistauer und seine Freunde

Salzburg Museum zeigt in Kooperation mit der Österreichischen Galerie Belvedere Highlights von Schiele & Co.

Ein spannendes Kapitel Salzburger Kunstgeschichte wird derzeit in der Kunsthalle des Salzburg Museums beleuchtet: Rund um die drei Freunde Anton Faistauer (1887–1930), Egon Schiele (1890–1918) und Felix Albrecht Harta (1884–1967) entwickelte sich die Künstlervereinigung „Wassermann“, die vor 100 Jahren – zeitgleich mit der Gründung der Salzburger Festspiele – das konservative Salzburg mit der Moderne vertraut machen wollte. Auch wenn es nur drei Ausstellungen gab, so hatte die Gruppe, in der auch Oskar Kokoschka eine wichtige Rolle spielte, weitreichende Wirkung. Auf sie fällt etwa die Gründung der Residenzgalerie 1923 zurück.

Egon Schiele (1890_1918), Eduard Kosmack, 1910, Öl auf Leinwand. Bild: Belvedere, Wien, Johannes Stoll

Das Besondere an der Ausstellung sind nicht nur die kostbaren Leihgaben, die von der Österreichischen Galerie Belvedere nach Salzburg geschickt wurden, sondern dass sich die Sammlungen beider Häuser in einer Ausstellung verschränken. „Das ist kein alltägliches Konzept“, betont Belvedere-Direktorin Stella Rollig.

Kuratorin Eva Jandl-Jörg und ihre Wiener Kollegin Kerstin Jesse entwickelten die Schau gemeinsam. Nur eines der fünf Ausstellungskapitel widmet sich dem „Wassermann“, der Rest fokussiert auf dessen Vorlauf – Schiele starb ja drei Monate vor Vereinsgründung an der Spanischen Grippe. Die Schau arbeitet die Gemeinsamkeiten und Verbindungen der drei Künstler heraus: Ihre Sehnsucht nach dem Süden, nach Liebe und Familie, ihr Bezug zur Natur sowie ihre beruflichen wie privaten Beziehungen, die für ihre Entwicklung als Kunstschaffende maßgeblich waren.

Felix Albrecht Harta (1884-1967), Der heilige Martin (Bettler), 1918, Öl auf Leinwand auf Karton, Salzburg Museum. Bild: Larry Heller, USA

Zu Beginn werden die Biografien nähergebracht: Der in St. Martin bei Lofer geborene Anton Faistauer lernte 1906 als 19-Jähriger den damals 16 Jahre alten Egon Schiele an der Akademie der bildenden Künste in Wien kennen. Beide brachen ihr Studium ab. Schiele gründete die Neukunstgruppe, 1909 schloss sich ihnen Harta an. Den Biografien stehen Werke der Künstler von Orten, denen sie sich verbunden fühlten, gegenüber – Ascona bei Faistauer und Krumau bei Schiele, der viel reisende Harta zählte Paris zu seiner Lieblingsstadt.

Auch die Frauen spielten im Leben der drei eine wichtige Rolle, wie die Kuratorinnen zeigen, sei es als Ehefrauen, Musen oder Künstlerinnen. Faistauers Gattin Ida, die am Tag der ersten Wassermann-Ausstellung starb, findet sich mehrfach in seinem Werk, etwa als Akt und zentrale Figur der Studie zum großen Votivaltar in Maishofen. Berühmte Werke wie Kokoschkas „Mutter und Kind“, Schieles „Sonnenblumen I“ und Faistauers Porträt von Hugo von Hofmannsthal spiegeln den Jahresschwerpunkt „Edle Gäste“ des Salzburg Museums auch inhaltlich wider.

„Faistauer, Schiele, Harta & Co. – Malerei verbindet“, bis 13.10., www.salzburgmuseum.at

Von Petra Suchanek

Hauptbild: Anton Faistauer (1887_1930), Garten in Maishofen, 1906, Aquarell, Gouache. Bild: Salzburg Museum