Wie es ist, auf einem Schiff zu studieren

Die schwimmende Uni gibt es wirklich. Nicht nur im Roman des Wahlsalzburgers Christopher David.

Das Kreuzfahrtschiff legt in Piräus ab. Es lässt den Hafen von Athen zurück und der Schiffsschlot zugleich dicke Wolken am Himmel. Auf dem Oberdeck sehen 200 Studenten zu, wie der Oceanliner ablegt und das Festland am Horizont verschwindet.

Am Bild: Autor Christopher David lebte unter anderem in London, Madrid, Paris und Sydney. Vor sieben Jahren zog er nach Salzburg und ist seitdem geblieben. Bild: Christoph Rump

Einer der Schiffspassagiere ist Mark Herfurt. Er ist der Protagonist des Romans von Christopher David. Der Wahlsalzburger hat zu Beginn des Monats sein erstes Buch veröffentlicht. Es trägt den Titel „Die Wellenbrecher“ und spielt auf hoher See an Bord eines Kreuzfahrtschiffes. Das Ungewöhnliche an jenem Schiff: Auf Deck sonnen sich keine Touristen. Stattdessen büffeln dort Studenten. Sie alle kommen aus verschiedenen Ländern. Denn: Bei dem Ozeanriesen handelt es sich um eine internationale Universität. Eine schwimmende Uni, die in den Häfen traumhafter Destinationen Anker setzt? Klingt zwar ausgedacht, ist es jedoch nicht.

Vorlesungen finden in Hörsälen an Bord statt

Autor Christopher David war 2007 selbst für ein Semester Teil einer solchen multikulturellen Studentencrew. Die schwimmende Uni war ein Experiment von sieben Hochschulen weltweit, wie aus Marokko, China oder Australien. Aus finanziellen Gründen musste das Projekt jedoch nach zwei Semestern eingestellt werden. Vergleichbare Programme existieren jedoch immer noch.

„Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Ich überlege, eine Serie daraus zu machen.“ Ch. David

Die Reise diente David als Inspiration für sein erstes Buch. „Ich wollte meine eigenen Erfahrungen auf dem Schiff aufschreiben.“ Darauf aufbauend, habe sich David die Charaktere und Handlungsstränge ausgedacht. Dennoch gebe es Parallelen zwischen dem Autor und Marc, der Hauptfigur der Geschichte. So studieren beide an Bord International Business. Finanziert werden die Abenteuer mittels Stipendium. Auf dem Schiff kommen Studenten verschiedener Studienrichtungen zusammen. Mit dem Ziel: Eine transnationale Lerngemeinschaft bilden, die fächerübergreifend arbeitet. Marc findet auf dem Schiff freilich schnell Freunde.

David: „Jeder davon hat andere Erwartungen.“ Während die einen sich zu Beginn der Reise vor den Anforderungen der Professoren fürchten, freuen sich andere wiederum auf einen vermeintlichen Partyurlaub. Weit gefehlt.

Aufgewachsen in Köln, lebte David unter anderem in London, Madrid, Paris und Sydney. Vor sieben Jahren kam er wegen der Liebe zu den Bergen nach Salzburg. „Damals plante ich, ein Jahr zu bleiben. Doch daraus wurden schnell mehr.“ Er ist Freiberufler im IT-Bereich, das erlaube ihm, auf der ganzen Welt zu arbeiten.

Die Reise auf dem Studentenschiff endet in Schanghai. Nicht nur für David vor zwölf Jahren. Auch Romanfigur Marc und seine Kommilitonen befinden sich
am Ende des Semesters in der Metropole. Die Geschichte der Studenten sei noch nicht fertig erzählt. „Ich könnte mir vorstellen, aus dem Thema eine Serie zu machen.“

Von Anna Boschner