So schön goschert

Kaum zu glauben, aber wahr: Das Zuckergoscherl gibt es seit mehr als drei Jahren. Langsam wachs’ma zam, Sie und ich, gell?

Ich find schon. Inzwischen kennen wir uns ja doch recht gut. Wir haben schon einiges miteinander erlebt! Wir haben uns über Unhöflichkeit echauffiert und geübt, ein bisserl dankbarer zu sein, wir haben über die Mode der 80er gekichert, über den Man Bun und das Schlafleiberl. Amüsiert haben wir uns über schweigsame, tanzende und im Haushalt untätige Männer, außerdem über die Spleens von Eltern – und nicht weniger über die von Kindern.

Karikatur Thomas Selinger. Bild: www.seli.at

Überhaupt, die Kinder, denen fällt ja nur Blödsinn ein, und das gibt Stoff für Kolumnen. Weil sie ihre liebevoll eingepackte Jause unberührt wieder heimbringen, weil sie tausend Warum-Fragen stellen, weil sie die Waschmaschine ins Burn-out und uns Eltern in den Wahnsinn treiben. Das Schöne am Konzept vom Zuckergoscherl ist ja: Ich muss kein Blatt vor den Mund nehmen, im Gegenteil, ich füll dieses Blatt mit ehrlichen Erzählungen und sag es so, wie es halt ist.

Heut erzähl ich Ihnen was, das Sie nicht wissen (können), nämlich wie Sie auf das hier reagieren, wertes Kolumnenpublikum. Ich bekomme überraschend viele E-Mails von Lesern, die mir Feedback geben und berichten, dass sie etwas besonders lustig fanden, die mir zustimmen oder widersprechen, die mir Fotos schicken von ausgeschnittenen Zuckergoscherl-Texten auf Kühlschränken.

Und davon abgesehen, dass ich mich ernsthaft freue, wenn Sie sich unterhalten fühlen von meinen kleinen Frechheiten, find ich es auch in Zeiten der digitalen Kommunikation großartig, dass sich jemand hinsetzt und eine Nachricht an mich tippt. Außerdem haben Selis charakterstarke Zeichnungen dafür gesorgt, dass die Leute mittlerweile wissen, wie das Zuckergoscherl ausschaut – und mich ansprechen. Sie können sich nicht vorstellen, wie verrückt das ist! Und ich liebe es, weil ich dann weiß, dass die Gedanken, die ich mir für die Kolumne mache, nicht ins Leere gehen, dass die Botschaft gehört wird und es mir gelingt, Sie zum Schmunzeln zu bringen.

Ein Satz fällt dabei immer wieder: „Es ist, als wärst du bei uns im Wohnzimmer gewesen!“ Das ist es doch, was uns eint: Eigentlich geht’s uns eh allen gleich. Es gibt nur meistens keiner zu. Dabei wäre es sicher eine Erleichterung, wenn wir offener und ehrlicher miteinander reden würden – und sehen, dass wir mit unseren Problemchen nicht allein sind. Also bitte, trauen Sie sich! Seien Sie ein bisserl goschert. Ich kann es Ihnen nur empfehlen.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at