Schmausen im Urlaub: Neuer Luxus in Istrien

Naturnah und regional: Die kulinarische Zukunft auf der kroatischen Halbinsel ist grün, fand der SF-Vorkoster heraus.

Keine Angst: Grundsätzlich bleibt alles gleich in Istrien. Es gibt weiterhin die Konobas samt typischer Küche und erfreulich überschaubaren Preisen. Weiterhin laden gute Restaurants ein zu fangfrischem Fisch. Und der neue Luxus? Der kommt oben drauf. Heuer eröffneten zwei spektakuläre Hotel-Restaurants, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Das liegt an den Menschen dahinter.

Mladen Rožanić hat Maschinenbau studiert, war Manager in Weltkonzernen, durfte Kunden in beste Restaurants einladen und hatte Essen und Trinken schließlich lieber als Stahl. Der Genussmensch begann nach einer Schulung im Rhône-Tal, selber Wein anzubauen, aber anders. Der Mann aus der Industrie mied die industrielle Produktion, schuf Naturweine, ließ kein Holz das Aroma aufpeppen und seinen Stoff in Würde altern – er verkauft gerade den Jahrgang 2011.

Mladen Rožanić, Weinmacher. Bild: www.roxanich.hr

Solch Einstieg ist nichts für Feiglinge. Immerhin nannte er seinen Betrieb zungenfreundlich so, wie den einst die Venezianer schrieben: Roxanich.
Heuer endlich der Umzug von einer Lagerhalle im Niemandsland von Nova Vas an den Fuß des urlauberumtosten Bergstädtchens Motovun. Er ließ fünf Etagen Keller in den Felsen setzen und baute ein k.u.k.-Weinlager des Jahres 1902 zum Hotel um. Jedes der 32 Zimmer quietschbunt tapeziert, das Hochbett mit Spiegeln, man kann sich beim Schlafen zusehen. Die Terrasse mit weitem Blick ins Mirna-Tal, manch Hügel wirkt toskanisch.

Für die Küche schloss man Verträge mit 17 Produzenten: Wie der Wein soll auch die Kost naturnah sein. Weinbergschnecken lagen knoblauch-würzig in Olivenöl, Krabben verbanden sich mit Sellerie zu süßmildem Salat, bitterer Wildspargel in sanfter Suppe, Seebarsch-Filet auf süßem Karottengrund, dann der Klassiker: prächtige Zitronentarte. Dazu die Weine des Hauses, jetzt schon haubenwürdig, dabei wächst es noch, das 14-Millionen-Euro-Projekt.

Weiter nach Rovinj. Dort verstellte das Hotel Park seit sozialistischen Zeiten den schönsten Platz am Meer. Bis die mächtige Maistra-Gruppe es abriss, neu baute und heuer als Grand Park Hotel eröffnete. Mehr als 300 Meter lang mit mehr als 200 Zimmern. Was in den französischen Alpen oder an der spanische Costa del Sol zur Betonburg geworden wäre – hier verschwindet der Komplex fast im Hang, weggerückt vom Ufer, eingebettet in einen Park. Ein Top-Betrieb vom 5-Sterne-Service bis zum Infinity-Pool auf dem Dach, die Übernachtung kostet.

Das Restaurant Cap Aureo ist für jedermann offen, mutig seine Linie: Star der Küche ist Gemüse, das trifft einen Nerv. Leicht frittierte Hollerblüten bekamen durch Salz beste Spannung. Blanchierter Kohlrabi in Liebesehe mit Jakobsmuscheln. Parmesan parfümierte ein cremiges Risotto mit einer Schicht Karottencreme, wieder ein wenig Salz, erstklassig. Man verzichtet nicht völlig auf Fleisch und Fisch: prächtig ein gebratener Petersfisch zu Fenchel, attraktiv ein Sorbet von Fenchelsamen samt Rhabarbersauce. Das waren zwischendurch drei Hauben. Und von jedem Tisch der Weltklasse-Blick auf die Altstadt von Rovinj.
Naturnah und regional: Der neue Luxus in Istrien ist grün.

– Wine & Heritage Hotel, Roxanich, Kanal 30, 52424 Motovun, Tel +385 52 205 700, www.roxanich.hr

– Grand Park Hotel, Obala V. Nazora 6, 52210 Rovinj, Tel. +385 52 800 250, www.maistra.com/de/grand-park-hotel-rovinj

Der Vorkoster vergibt:

1 Haube für das Roxanich in Motovun

2 bis 3 Hauben für das Grand Park Hotel in Rovinj

Bewertungskriterien: Unsere Punktewertung orientiert sich an internationalen Regeln: 20 Punkte sind der Höchstwert. 9 Punkte und darunter: Kost mit groben Mängeln. 10 Punkte: deutliche Mängel. 11 Punkte: durchschnittliche Kost. 12 Punkte: gute Kost. 13 und 14 Punkte (eine Haube): sehr gute Kost. 15 und mehr Punkte (zwei bis vier Hauben): exzellente Kost.

Hauptbild: Grand Park Hotel Rovinj / Maistra