Eklat beim zweiten Krenn-Prozess

Beisitzender Richter musste „um 15 Uhr gehen“. Der Vorgang wird intern untersucht.

Der Indizienprozess um den Mord an dem Salzburger Millionär Roland Krenn (†63) kommt aus den befremdlichen Fahrwassern nicht heraus. Die Neuverhandlung über die Urteile endete mit einem Eklat, weil ein beisitzender Richter „keine Zeit mehr hatte“.

Richter Christian Hochhauser hatte bereits vor Wochen zwei Verhandlungstage ausgeschrieben: Am 26. und 27. Juni, jeweils von 9 bis 20 Uhr, sollten die Geschworenen neuerlich über das Strafmaß für die drei jungen Angeklagten sowie über die Einweisung des Haupttäters in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher entscheiden.

„Wir können die Erhebungen nicht kommentieren.“ Andreas Wiesauer

Der erste, von Hochhauser ruhig geführte Prozesstag platzte jedoch um 15 Uhr. Denn kurz davor teilte der Vorsitzende der verdutzten Zuhörerschaft mit, dass sein Beisitzer zur Rechten „gehen muss“, weil er einen Termin habe. Was im Gerichtssaal spontanes Raunen und sichtbares Kopfschütteln bei den Geschworenen und Angeklagten auslöste. Letztere hatten sich Klarheit über ihre Gefängnisstrafen erhofft. Warum der langjährige Richter wegmusste? – Wir wissen es nicht.

Es folgte die mühsame Suche nach einem Ersatztermin. Tags darauf konnte die Sachverständige nicht, sie hatte ihr neues Gutachten bereits vorgetragen. Hochhausers zweite Beisitzerin versuchte die acht Geschworenen für den 13. August zu koordinieren: Eine Geschworene meinte, man sei im Urlaub. Ob die Reise gebucht sei, im Gesetz stehe gebucht? Man fahre mit dem Auto weg, meinte die Frau leise.

Richter Hochhauser brachte noch am selben Tag eine gepfefferte interne Beschwerde zu dem Vorgang ein. Gegenüber dem SF erklärte Gerichtssprecher Andreas Wiesauer, es gebe „justizinterne Erhebungen“, die man nicht kommentieren könne.

Von Sonja Wenger

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