Der Staat lenkt ein, das ist human

Die schwere Rückkehr und Sühne für die IS-Anhänger.

Im Camp Al Hol der kurdischen Befreiungsarmee sind 9000 bis 11.000 ausländische Angehörige des Islamischen Staats interniert. Es sind die jungen Frauen und Mädchen aus der ganzen Welt, die nach Syrien zogen, weil sie an die bizarre Propaganda vom reinen, guten Staat für die Muslime glaubten. Manche dieser Frauen hatten, als Witwen, mehrere Kämpfer hintereinander als Mann. Die ärmsten Geschöpfe im Lager sind die Waisen, deren Eltern für die bösartige Schimäre das Leben ließen. Dass durchaus charismatische Hassprediger ihre verqueren Botschaften jahrelang – auch in Österreich – frei verbreiten konnten, ist ein Versagen der toleranten, westlichen Gesellschaften.

Die Bilder, die nun offenbar werden, ähneln in vielem der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Und weil die Gräuel, die Massaker, die sexuelle Versklavung und die Gewalt so abnorm waren, tun sich die Herkunftsländer mit der Rückkehr ihrer IS-Auswanderer schwer.

In der Bevölkerung ist von einer Mehrheit auszugehen, die die Islamisten jedenfalls nicht zurückhaben will. International diskutiert wird, wie man die Täter zur Rechenschaft ziehen soll: Über ein Sondertribunal in der Region, was die Aufrollung und Beweisbarkeit der Taten erleichtern würde; oder in den Heimatländern, wo bereits einige Gerichtsprozesse unter schwierigen Umständen laufen. Die Kurden wollen die Ausländer so schnell wie möglich loswerden. Einige Länder wie Dänemark, Finnland oder die USA haben Dschihadisten oder deren Kinder bereits zurückgeholt.

Auch die Eltern der Salzburgerin Maria G. und ihr Anwalt Johann Eder stehen im intensiven Kontakt mit den Ministerien. Anfänglich wollte das Außenministerium nur die Kinder holen – was Mutter und Großeltern „definitiv ablehnen“. Nun ist die Rede von der Rückholung „der Familie“. Zuvor muss Frau G. jedoch „authentisch erklären, dass sie nach Österreich zurück will.“ Obwohl hier bereits eine Anklage auf sie wartet und ein internationaler Haftbefehl gegen sie aufrecht ist. Dennoch ist es human, wenn der Staat nun einlenkt.

Von Sonja Wenger