Wow-Momente am Wallersee

Wie es gelang, die Vorkosterin am Hochzeitstag inmitten schwungvoller Weyringer-Bilder strahlen zu lassen.

Jeder Mensch ist anders, auch die Vorkosterin. Es wird Leute geben, die ihren Geburtstag mit strahlender Laune feiern – sie nicht. Nicht dass sie unfreundlich wäre zu den gratulierenden Enkeln. Aber uns Erwachsenen begegnet sie eindeutig zickig. Die Vergänglichkeit drückt ihr aufs Gemüt. Als nun ein sehr runder Hochzeitstag anstand, begann der Vorkoster zu planen. Ein Abend am See mit Sonnenuntergang und bestem Essen, eine Nacht im Hotel, das musste doch ihre Laune heben.

Das ist übrigens ein wachsendes Geschäftsfeld für Hotels. Nicht nur der Gast aus Fernost, auch der nahe Einheimische soll gelockt werden. Als das Fünf-Sterne-Haus Schloss Fuschl heuer im Frühjahr ein paar Hundert Salzburger einlud zu vielerlei Händlern und Köchen, zu Wein und kleinen Speisen, da ging es genau um diese Werbung: Schenk deiner Frau ein Luxus-Wochenende, kommt viel besser an als das dritte Collier, du hast selber auch etwas davon. Eine Idee, bereit zu keimen.

Bei diesem Event traf der Vorkoster auf einer der Stationen auch Emanuel Weyringer. Er hatte ein Schwein auf chinesische Art zubereitet, hat er schließlich in Hongkong gelernt. Und in der Erdnusssauce dazu fand sich eine daumennagelgroße Frucht von wunderbarem Aroma, eine frische Mandel. Wow! Genau diese Reaktion war seine Absicht: „Man muss als Koch solche Zuspitzung schaffen“, sagte er. Also ging die Hochzeitstags-Fahrt zu ihm nach Henndorf an den Wallersee, hoffend auf weitere Wow-Momente.

Seebrunn ist ein hübsches kleines Hotel direkt am Ufer mit einem unschlagbaren Vorteil: Es steht Tür an Tür neben dem Restaurant. Kein Heimfahren; denn wer feiert, mag nicht die Weinmenge abmessen. Von der weyringer’schen Terrasse über dem Wasser sahen wir der Sonne beim Untergehen zu, kitschige Rosatöne malend, die Nachtigall sang. Und drinnen, inmitten schwungvoller Vater-Weyringer-Bilder, unter quietschbunten Murano-Lustern ein modernes Interieur mit ausgesuchten alten Möbeln, ein prächtiger Ort für ein Fest. Und die Vorkosterin? Tiefenentspannt.

Die Karte bietet viergängige Menüs von 68 bis 79 Euro, querbeet mixbar. Als Küchengruß kam aufgeschäumter Sellerie mit Mangosaft, schön der Übergang von bitter zu fruchtsüß. Und ein Hinweis auf Weyringers Stil: stets einen großen Aromenbogen wirken zu lassen. Beim Gemüseteller fanden sich Kohlrabi und Bierradi, Pfirsich und Tomate zusammen, also knackig und weich, säuerlich und süß. Richtig gut auch die Gänseleber, weil erstaunlich leicht geblieben und doch kraftvoll. Die Suppe vom glücklichen Ei geriet vollmundig, sanft die Jakobsmuscheln, arrangiert wie ein Cannelloni.

Das exzellente Lamm war indisch angemacht mit exotischen Aromen. Und dann die Reinanke, perfekt gebraten auf grünem Spargel – aber die Sauce! Wow! So ein Reigen verschiedenster Geschmäcker, zum Tellerablecken. Weyringer brauchte sicher eine Minute, Zutaten und Zubereitung aufzuzählen für seine Alchemie. So geblendet, kann sich der Vorkoster danach noch an geeisten Rhabarber mit isländischem Joghurt erinnern, toll. Dazu die passenden Weine glasweise, ein flinkes, höchst freundliches Service – und die Vorkosterin feierte den Geburtstag ihrer Ehe ohne Anflug von Trauer.

Weyringer Wallersee, Fenning 7a, 5302 Henndorf, Tel. 06214/61872, www.weyringer-wallersee.at

Foto: Ian Ehm