Was Selfies nicht können

Wie das Wesen eines Menschen ist, was ihn ausmacht, zeigen nur gute Porträtbilder.

Selfies machen kann jeder. Doch das Selfie kann nicht alles. In die Tiefe gehen zum Beispiel. Einen Menschen so zeigen, wie er ist. Was ihn eigentlich ausmacht und nicht, wie er sich auf Facebook, Instagram oder Snapchat präsentiert.
„In den sozialen Medien siehst du jeden Tag dieselben Selfies“, sagt der bekannte britische Fotograf Rankin. Er ist ein ausgewiesener Gegner dieser Art der Fotografie.

Brite Rankin will das Porträtbild retten

Rankin betreibt Lobbying dagegen, um das gute alte Porträtbild zu retten. Konkret ruft der Brite Fotografen dazu auf, ihm kreative Ideen für Porträtfotos zu schicken. Wer die besten Ideen hat, kann mit Rankin gemeinsam Porträts produzieren.
Eine, die bei der Aktion mitmachen will, ist Hannelore Kirchner. Die Salzburger Fotografin hat gerade in der „Königsdisziplin“ Porträtfotografie den 3. Platz beim Landespreis der Berufsfotografen eingeheimst. Gelungen ist ihr das mit Porträts (siehe Bild) von Swantje Ascher-Tauscher, Konzertmeisterin bei der Philharmonie Salzburg.

BILD: Hannelore Kirchner

Selfie gehe gar nicht, findet die gebürtige Pinzgauerin. „So wie ich mich auf einem Selfie zeige, bin ich wahrscheinlich den ganzen Tag nicht“, sagt Kirchner. Schaut man für ein Selfie in das Handy wie in einen Spiegel, korrigiert man meist noch schnell seine Mimik. Das verfälscht den eigentlichen persönlichen Gesichtsausdruck. „Da geht so viel Persönlichkeit verloren“, erklärt die Fotografin. Wende man auch noch eine Bildbearbeitung an, bleibe man einfach nicht mehr bei sich selber. Wie man vom Wesen her sei, wie man auf andere Leute wirke, das nehme die Fotografin oder der Fotograf wahr.

Arbeitsamt ermöglicht gute Bewerbungsporträts

Kirchner veranschaulicht das arbeitssuchenden Salzburgern, von denen sie in Zusammenarbeit mit dem AMS Bewerbungsporträts anfertigt. Viele geben sich verschlossen, wollen nicht mit offenem Mund lächeln – obwohl sie so auf die Fotografin zukommen. „Ich kriege es hin, dass ihnen die offene Geste dann doch gefällt“, sagt Kirchner. Auf den Bildern sieht man Menschen mit einem freien, selbstbewussten Lachen, einer Offenheit und Natürlichkeit. Sogar das Halstuch legen viele Damen dann doch ab. Kirchner: „Wenn ich meine Halsschlagader offen zeige, vertraue ich.“ Das kommt gut auf Bewerbungsbildern. Den Leuten „tauge“ das richtig. Sie fänden, die Porträts sähen „so echt aus“. Auch wenn sich manche direkt ein bisschen fremd sind.

Von Sabine Tschalyj

Einreichung von Porträtideen an: selfiecontrol@rankin.co.uk

Bild oben: Kirchners preisgekröntes Foto.  Bild: Hannelore Kirchner