Rollerderby ist mehr als nur im Kreis fahren

Beim Rollerderby setzen die Sportlerinnen ein politisches Statement. Zeit, die Mädels beim Training zu besuchen.

Gelbe Linien grenzen die Bahn der Rollschuhfahrerinnen ein. Mit Karacho fetzen sie diese entlang, legen sich in die Kurve und beschleunigen erneut. Das Klacken der Rollschuhe hallt durch die Halle.

Rollerderby gehört wohl zu den ungewöhnlicheren Sportarten, die in Salzburg ausgeübt werden. Sie stammt aus Amerika – wie soll es auch anders sein. Dort füllt der Rollerderby bereits seit den 1940 Jahren die Stadien. Durch den Film „Roller Girl“ erlangte er bei einem breiten Publikum Bekanntheit. Vor etwa 15 Jahren wurde in Europa das erste Team gegründet, mittlerweile wird der Sport in sechs österreichischen Städten gespielt: Innsbruck, Graz, Linz, Wien, Eisenstadt, seit einem Jahr auch in Salzburg.

Die Anfänge des Teams, den „SBG Knockouts“ waren ungewiss: Die Sportlerinnen begannen nach Ladenschluss auf den Parkplätzen von Supermärkten zu spielen. Die Regeln der Sportart lernten sie mithilfe von Videos aus dem Internet. Vor einem Jahr wechselten die Salzburgerinnen schließlich in ihre erste Halle. Mittlerweile trainieren sie abwechselnd in Sporthallen in Itzling und Bergheim. Seit den Trainings auf Parkplätzen hat sich das Team mehr als verdoppelt.
Rollerderby-Spielerinnen benötigen: Rollschuhe, Knie-, Ellbogen-, und Handschützer sowie Helm und Mundschutz. Ohne Ausrüstung darf niemand mitmachen, das wäre zu gefährlich. Denn: Beim Rollerderby fahren die Spielerinnen nicht nur im Kreis. Ziel des Spiels ist es, die gegnerische Mannschaft am Fortkommen zu hindern. Und das mit vollem Körpereinsatz.

Doch was steckt genau dahinter? Zeit, die Mädels beim Training zu besuchen und die Sportart selbst zu testen.

Vollkontakt auf Rollschuhen

Schuhe, Schützer und Helm kann die Redakteurin des „Salzburger Fensters“ beim Besuch ausleihen. Die ersten Meter auf Rollen gestalten sich als wacklig. Erfahrung besteht zwar im Inline-Skaten, doch auf den vier parallelen Rollen bin ich zuvor noch nie gefahren. Erste Lektion: Bremsen lernen. Anders als die bekannten Skates, haben jene Rollschuhe keinen eingebauten Bremsklotz nach der letzten Rolle. Spielerin „Harpie“ erklärt, wie es auch ohne geht. „Das Gewicht auf ein Bein verlagern, dann das andere Bein im Halbkreis vor den Körper ziehen.“ Leichter gesagt, als getan.
Beim Rollerderby sucht sich jede Spielerin ihren eigenen Spitznamen aus. Je angsteinflößender dieser klingt, desto besser. „Wenn ich das Spielfeld betrete, bin ich durch meinen Spitznamen ein anderer Mensch und der Alltag bleibt hinter mir“, sagt „Harpie“.

Während ich am Spielfeldrand noch das Bremsen übe, kreisen die „SBG Knockouts“ bereits über den Hallenboden. Trainerin „CruelJulse“ pfeift und die erste Übung beginnt. Neben dem eigentlichen Fahren, lernt jede Sportlerin das Blocken. Um zu punkten, müssen die Spielerinnen des gegnerischen Teams gestoppt werden. Aber nur an bestimmten Körperbereichen, wie an der Hüfte und Schulter. Rücken, Hände, Kopf und Hals sind tabu. Wer beim Blocken aus der Bahn gedrängt wird, muss sich wieder von vorne einreihen. Das Team, das im Spiel nach einer Stunde am meisten Punkte hat, gewinnt.
Bei der nächsten Übung kann ich mit einsteigen. Zusammen mit fünf anderen Spielerinnen platziere ich mich auf einem Abschnitt der Bahn und stelle ein Hindernis dar, das die restlichen Spielerinnen am Fortkommen beeinträchtigen soll. Jetzt gilt: In die Knie gehen, nicht umfallen und ja nicht wegrollen.

Rollerderby spielen fast nur Frauen

Obwohl die Taktik und der Teamgeist des Sports im Vordergrund stehen, wollen die Spielerinnen dabei ein politisches Statement setzten. Männer sind im Team nicht erlaubt, auch nicht als Schiedsrichter oder Trainer. Damit wollen die Spielerinnen Genderklischees entgegenwirken und ein Zeichen gegen Körpernormen und Sexismus setzen. Das Wiener Rollerderby-Team geht noch einen Schritt weiter und lässt sich während seiner Spiele von männlichen Cheerleadern anfeuern.
Zurück zum Salzburger Rollerderby-Team. Dieses trainiert derzeit für die ersten Freundschaftsspiele und die österreichische Rollerderby-Meisterschaft im November. Wer die ungewöhnliche Sportart testen möchte: Das Team trainiert montags im „Bergxi“ in Bergheim und donnerstags in der Sporthalle der Volksschule Itzling – jeweils von 20 bis 22 Uhr.

Anna Boschner