Hampelmänner oder: Männer, die tanzen

Nachdem ich letzte Woche von dem Club berichtet habe, in dem wohl kein Lied länger als acht Sekunden gespielt wurde …

…, wie es angeblich der neuen Aufmerksamkeitsspanne von uns Menschen entspricht, bleiben wir heute gleich beim Thema: Tanzen. Genauer gesagt: Männer, die tanzen. Für die meisten ist das gleichbedeutend mit der schwankenden Choreografie, die sie aufführen, wenn sie betrunken versuchen, den Schlüssel ins Haustürschloss zu kriegen – bisserl zur Seite, zur anderen Seite, jetzt aber.

Cartoon Thomas Selinger. Bild: www.seli.at

Oder sie fallen nach einem Tor der eigenen Mannschaft einem Kumpel um den Hals, um brüllend auf und ab zu springen – das ist für Männer Tanzen genug. In Sachen Paartanz gibt es die, die müssen, und die, die können. Die Müssenden sind bisserl steif in den Knien und haben ein angetackertes Lächeln, sie schielen ständig zur Band in der Hoffnung, dass die eine erlösende Pause macht.

Bei den Könnenden gibt es zwei Kategorien: die Discofoxer, meist 50+, die mit Elan und Spaß viel Platz auf der Tanzfläche einnehmen und dort routiniert die drei Figuren abwickeln, die sie seit 30 Jahren beherrschen. Und die Profis, die auf Wettbewerbsniveau tanzen und ihre Partnerinnen derart herumschleudern, dass man nur vom Zuschauen ins perlenbestickte Handtascherl speiben möchte. Das ist die einzige Art von tanzendem Mann, die sich eine Tango-Rose zwischen die Zähne klemmen kann.

Dann gibt es die Tanzflächenranderscheinungen. Sie haben ein Glas in der Hand und wippen. Mit dem Fuß wippen sie und mit dem Kopf, mit dem Rest dazwischen aber niemals! Könnte ja was aus dem Glas schwappen. Steigern wir uns langsam hin zu den Fußkünstlern. Die haben Beinwerk aus Gummi und zeigen das gern – indem sie die Füße hin und her flippen lassen zum Beat, umringt von Bewunderern, die froh sind, wenn sie es schaffen, einfach nur geradeaus zu latschen.

Und dann, liebe Leute, die Könige unter den tanzenden Kerlen: die Ekstatischen. Sie geben sich hin. Sie pogen, sie lassen die Haare fliegen und die Schweißtropfen. Sie kümmern sich um nichts als die Musik. Sie fallen auf die Knie und biegen den Oberkörper zurück. Sie singen mit. Sie fühlen es! Sie hampeln und gestikulieren und wenn „oh mein Gott, dieses Lied!“ gespielt wird, johlen sie.

Sie sind selten, sie sind rar, sie sind echt. Ja, sie sehen lächerlich aus dabei. Wenn man selbst am Rand der Tanzfläche steht, kann man nur (im Takt) den Kopf schütteln. Deswegen gibt es da nur eins: Mitmachen! Tanzen, singen, schreien, schwitzen. Das Leben ist zu kurz für einen Genierer.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at