Glücksspiel-Clan war auch in Salzburg aktiv

Wiener Familie machte mit illegalen Automaten Millionen. Das Geld wurde in Ungarn reingewaschen.

Man kann mit der Spielsucht einiger Menschen richtig „dickes Geld“ machen. Die illegale Szene wehrt sich deshalb mit immer höherem, immer krasserem Aufwand gegen den Zugriff des Staates. Der versetzte einer Gruppierung nun allerdings einen schweren Schlag.
Im Zuge der „Operation Joker“ führten 320 Beamte von Steuerfahndung, Landeskriminalämtern, Cobra und Wega in Österreich und Ungarn 43 Hausdurchsuchungen durch – darunter auch in Hallein –, öffneten 43 Bankkonten und verhafteten sechs Personen. Es handle sich „zweifelsohne um eine mafiöse Organisation“, beschreibt Major Dieter Csefan vom Bundeskriminalamt das Milieu. So wurden Bargeld, Gold- und  Silberbarren im Wert von 382.000 Euro sichergestellt, Waffen, Handys, geringe Mengen an Suchtmitteln und in einem geheimen Lager 533 nagelneue, teilweise noch originalverpackte Spielautomaten – der Nachschub für beschlagnahmte Geräte. Die Justiz ermittelt gegen 24 Beschuldigte.

Wöchentlich 80- bis 200.000 Euro ins Ausland

Der Hauptverdächtige ist ein 61-jähriger, langjähriger Automatenaufsteller aus Wien, der ab 2014 ein komplexes Firmengeflecht aufbaute und auch seine Familienangehörigen in die Geschäfte miteinbezog. Man habe verschachtelte Mietverträge administriert, die Männer hätten österreichweit die Lokale abkassiert und monatlich laut Ermittlern „mindestens 80.000 bis 200.000 Euro ins Ausland gebracht und auf Konten von Scheinfirmen einbezahlt.“ Auch ein Wiener Steuerberater und ein Bankbeamter aus Ungarn sitzen in U-Haft.

Monopol für zwei Konzerne

Der Hauptbeschuldigte hat das neue Glücksspielgesetz, das dem Novomatic-Konzern und Casinos Austria ein Quasi-Monopol ermöglicht, jahrelang bekämpft. Und während in den Spielhöllen Amtshandlungen nur mit Handschuhen stattfinden – „es ist schmutzig, es stinkt, es wird überall geraucht“ (ein Beamter) –, war das größte Problem der Täter laut dem Ermittler: „Wie gehen sie mit dem Schwarzgeld um? Wie lagern sie das? Wie bringen sie das wieder legal in Umlauf?“
Der Lebensstil war aufwändig. Die Frau und Tochter des inhaftierten 61-Jährigen wollten „keinen Kommentar“ abgeben. Ein bosnischer Unterläufer betreute zehn Automatencasinos in Wien. Bei seiner Festnahme führte er 150.000 Euro in einem Plastiksack mit sich – die Wochenlosung. Der Mann habe sich in seiner Heimat „ein schönes Haus gebaut“ und vor  der Polizei ausgepackt, wissen Insider.

Gewerbeschein vom Tennengauer Handwerker

Das Spiellokal in Hallein betrieb man mit dem Sportwetten-Gewerbeschein eines selbstständigen Handwerkmeisters (er vertrieb früher Dartscheiben und Fußballtische). Der Mann, der auch 0,2 Prozent an einer Gastro-GmbH der Gruppe hielt und monatlich 400 Euro bekam, zum  SF: „Einer ist zu mir gekommen und hat  gefragt, ob ich die Berechtigung noch brauche? Ich habe den Chef dann ein paar Mal zum Kaffeetrinken getroffen.“ Er sei seriös und jetzt in nichts mehr involviert, betont der Tennengauer.
Es gebe in Österreich noch vier Tätergruppen, sagt Wilfried Lehner, Chef der Finanzpolizei. „Wir haben sie alle im Visier.“ Um sich den letztlich vernichtenden Abgabenforderungen zu entziehen, gehen die ominösen Betreiber immer raffinierter vor. So verhindern   Scheinfirmen  in der Slowakei, in  Rumänien Betriebsschließungen, da Bescheide nicht persönlich zugestellt werden können.  Man hat sogar Lokale ohne Personal entwickelt.

Trotz Verbots: 184 illegale Geräte in Salzburg

„Da werden Türen per Fernnetz geöffnet und Reizgas ausgesprüht, wenn Beamte kommen. Einer sitzt in Ungarn vor dem Bildschirm und lenkt das Lokal“, erklärt  Norbert Klein von der  Plattform „Spielerinfo.at“, die von Novomatic unterstützt wird und  regelmäßig das Bundesgebiet bis in den letzten Winkel auf illegale Konkurrenz durchkämmt. In Salzburg ist das kleine Glücksspiel verboten. Dennoch gibt es laut Spielerinfo aktuell 19 Standorte mit 184 illegalen Geräten sowie fünf  „Klingelbetriebe“ mit erschwertem Einlass, etwa  an der Ignaz-Harrer-Straße.

Sonja Wenger
sonja.wenger@svh.at