Fachhochschule macht Siedlung „smart“

In Hallein testet man Spezialfassaden und stockt auf. Von der Expertise der FH Salzburg profitieren Umwelt und Bewohner.

Was tun mit ungedämmten, schimmelanfälligen Wohnblöcken aus der Nachkriegszeit? Ertüchtigen! Das sagt sich die Stadt Hallein, die mit der Fachhochschule Salzburg (FH) an einem zukunftsweisenden Projekt zusammenarbeitet.

In der Burgfriedsiedlung der Stadt werden Gebäude „smart“ saniert und nachverdichtet. Das dient dem Klimaschutz, der Lebensqualität der Bewohner und schafft zusätzliche, leistbare Wohnungen. Man arbeitet interdisziplinär. „Es sind Fachleute aus Architektur, Gebäudetechnik, Bauphysik, Freiraumgestaltung und Mobilitätsplanung und natürlich die Bewohner eingebunden“, beschreibt Markus Leeb vom FH-Studiengang Smart Building.

Markus Leeb FH Salzburg): Die Fassade bringt Vorteile für Umwelt und Bewohner. Bild: FH Salzburg

Ein Herzstück der Sanierung ist die an der FH entwickelte und erstmals erprobte Salzburger Multifunktionsfassade. Sie besteht aus einer Holzkonstruktion mit Heizschlangen und Betonschichten, die der Wärmeverteilung und -speicherung dienen. Was in der Theorie simuliert, dann an einer Wohnung getestet wurde und jetzt an zwei Wohnblöcken mit 45 Wohnungen angewendet wird, ist quasi eine überdimensionale Fußbodenheizung. „Nur dass sie vertikal rund um das Gebäude verläuft“, ergänzt Leeb. Diese Außenheizungsfassade dämmt zugleich das Gebäude – das ist klimafreundlich und senkt die Heizkosten.

Die Bewohner haben noch weitere Vorteile. Einer ist mehr Behaglichkeit durch die Strahlungswärme, die von außen in die Wohnungen gelangt („Kachelofeneffekt“). Das bisherige Schimmelproblem in den alten Häusern ist durch die Spezialfassade ebenfalls gelöst. Sogar der Straßenlärm wird gedämpft, da die Holz-Zementplatten der neuen Fassade den Schall absorbieren. Noch ein großer Vorteil, gerade in Wohnblöcken mit dutzenden Mietern: Während der Sanierung konnten die Bewohner im Gebäude bleiben – gearbeitet wurde ja nur außen an der Gebäudehülle.

Auch die Nachverdichtung passt sich gut in die bestehende Siedlung ein. Auf dem ersten Testgebäude (Bild unten) thront neuerdings ein viertes Stockwerk, das bringt um rund ein Drittel mehr Wohnraum. Oben erzeugt Photovoltaik aus Sonnenkraft Strom. Das neue Flachdach macht es möglich. In einem weiteren Ausbauschritt könnten sich sämtliche Siedlungshäuser untereinander Strom liefern und damit Spitzen im Stromverbrauch abfedern.

Als Nächstes denkt man an Kühlung von außen

Bald schon könnte die Multifunktionsfassade sogar im Sommer als Klimaanlage dienen. „Dafür würden wir über das Grundwasser die Kälte des Bodens nutzen und in die Gebäudehülle leiten“, erklärt Markus Leeb. Man prüfe gerade die Möglichkeiten, dies im zweiten Testgebäude umzusetzen.

Was sich in dem Sanierungsprojekt tut, beobachten die FH-Studenten genau. „Es gibt schon fast ein Dutzend Bachelor- und Masterarbeiten“, schildert Forscher Leeb. Wie es aussieht, entwickelt sich das Halleiner Projekt zu einem Prototypen für weitere „smarte“ Modernisierungen alter Gebäude. Die gibt es zahlreich, laut Statistik Austria stammen 43 Prozent der Gebäude im Bundesland Salzburg aus der Bauperiode 1945 bis 1980.

Von Sabine Tschalyj

Bild oben: Nachhaltige Sanierung in Hallein-Burgfried: Wohnraum wuchs, Energieverbrauch sank. Bild:FH Salzburg