Wenn man mit Social Media Geld verdient

Sie posten auf Instagram und YouTube, haben tausende Fans: Die Influencer.

Das Internet und der gesellschaftliche Trend zur hemmungslosen Selbstdarstellung haben ein neues Berufs- und Geschäftsfeld entstehen lassen: die Influencer. Ihre Postings auf Instagram und YouTube treffen die Sehnsüchte eines jungen Millionenpublikums. Es geht um Lifestyle und Fashion, Fitness und Körper, Mama sein, Kochen, technische Gadgets und  allerlei Lebensschnicknack, der Spaß macht. Zum Phänomen gehört auch, dass die Bilder vielfach austauschbar erscheinen, da der  Algorithmus von Instagram die Darstellung von nackter Haut besonders unterstützt. Erst seit kurzem äußern sich (deutsche) Influencer auch zu politischen Themen. 2020 wird der deutschsprachige Influencermarkt laut einer Studie über eine Milliarde Euro umsetzen, so die Fachzeitschrift Horizont.

Leben wie die Reichen

Auch in Österreich gibt es inzwischen einige Social Media Stars. Instagram-Queen ist die 18-jährige Grazerin Lisa-Marie Schiffner mit über einer  Million Fans und eigener Agentur. Dem Fitnessguru Johannes Bartl aus Mödling folgen zwei Millionen Anhänger, wobei Bartl in die USA ausgewandert ist. Bekanntere Instagramer in Salzburg sind Lisakindoffashion, eine 27-jährige zweifache Mutter aus Obertrum mit eigenem Online-Shop; Nina Wro, die eine Kooperation mit Nespresso hat; die „Kräuterhexe“ Fräulein Grün oder Trainingsprofi Sascha Huber, der in der Schule gehänselt wurde, weil er dünn und schmächtig war.
Ab 200.000  Followern könne man vom Posten leben, weiß Elisabeth Vogl, Geschäftsführerin der auf Social Media spezialisierten Salzburger Werbeagentur „Viermalvier“. Es sei keineswegs billig verdientes Geld.  „Der Aufwand ist relativ hoch, es muss eine große Leidenschaft dahinter sein, man gibt   viel Privates preis.“ Die Community wolle  stets mit neuen Inhalten bespielt werden.

185.000 Fans

Die Salzburgerin Sarah Descho hat beachtliche 185.000 Abonnenten auf Instagram, darunter Europark Salzburg und Forum 1. Es sei „ein Nebenjob“, sagt die Jusstudentin. „Ich kriege kein Geld von Firmen, ich verlange auch keines. Ab und zu wird ein Flug bezahlt.“ Einmal  habe sie Uhren von Daniel Wellington beworben. Über Geld redet man nicht so gerne. Die 22-Jährige postet zu Lifestyle und Fashion, die Storys erinnern an das Leben der Reichen und Schönen: schöne Posen und Accessoires,  dazwischen auch mal sexy Räkeln im Hotelbett, Prosecco beim Hahnenkamm-Rennen, Sightseeing und Snacking in Wien, London, Rom, Mailand.  All das habe sie nicht verändert, sagt die Salzburgerin, die tatsächlich freundlich und unprätentiös wirkt. Über das vermittelte Frauenbild habe sie noch nicht nachgedacht.

Narzisstische Entgleisung

Die Social Media Stars sprechen die Internet- und Technik-affinen Jungen an. „Es ist ein trendiges, neues Werbemittel“, sagt der Wiener Anwalt und Experte für neue Medien, Johannes Öhlböck. Öhlböck informiert auf seiner Website auch über Gerichtsurteile, meist geht es um das Hauptthema, dass Werbung für kommerzielle Produkte nicht gekennzeichnet wird. Die häufig verwendeten  Hashtags (#ad #rabatt #shopping  #40 Prozent) sind zu wenig. Der deutsche Influencer Rezo soll den fulminanten Wahlsieg der Grünen mitverursacht haben. Medienanwalt Peter Harlander aus Salzburg dazu: „Damit wird die Politik leben müssen, dass es plötzlich Einzelpersonen gibt, die nicht mehr steuerbare Reichweiten haben.“
Die narzisstische Selbstüberschätzung  führt freilich auch ins Desaster. Ein deutscher YouTouber, der mit scherzigen Clips Teenies erfreut und ein eigenes Management hat, wollte mit Freunden gratis im besten Club der Stadt feiern und dies in einer Story „markieren“. Als der Gastronom ablehnte – der Laden laufe auch so gut – entgleiste der Internetstar. Sein weinerliches, sehr langes Wutvideo löste einen gigantischen Shitstorm aus.
In Salzburg geht es noch gemütlicher zu. Da kann Influencerin Sarah Descho mit einem Mini von Auto Frey zum  Sonnwendfeuer ins Hüttendorf Maria Alm fahren – „wir wollen das noch ausbauen“, so Frey-Marketingchefin Sybille Rachbauer –, und da marschieren junge Leute beim „Insta-Walk“ auf Almen und Berge und befreien den sommerlichen Wandertourismus so auch von seinem altvaterischen Image.

Sonja Wenger
sonja.wenger@svh.at