Sie mögen es harmonisch

„Die Sonanzen“ hören einander zu. Das hilft beim Singen und im Leben. Am 22. und 23. Juni geben sie ein Konzert.

Um 35 Sängerinnen im Alter von 30 bis 80 Jahren zu leiten, braucht es Erfahrung und viel Gespür. Rósa Kristin Baldursdóttir hat beides. Und Temperament. Schon beim Einsingen der „Sonanzen“ im Saal der Volkskultur im Petersbrunnhof wird klar: Die quirlige Chorleiterin legt Wert auf Stimmbildung und Professionalität. Schließlich ist die gebürtige Isländerin selbst Sängerin und unterrichtet an der Pädagogischen Hochschule in Salzburg.

Sie weiß, worauf es beim Singen ankommt. Das allein macht aber noch keinen guten Chorleiter aus: „Es braucht viel Vertrauen, um diesen Weg gemeinsam zu gehen. Die Frauen haben ganz unterschiedlichen Hintergrund, manche können keine Noten lesen. Trotzdem funktioniert es gut. Wir singen auch sehr komplexe, fünfstimmige Lieder“, so Rósa Kristin Baldursdóttir.

Derzeit proben die „Sonanzen“ für ihr großes Jahreskonzert das Requiem von Gabriel Fauré, das sie mit dem Musikum Generationenorchester am 22. und 23. Juni aufführen werden.

Chorleiterin Rósa Kristin Baldursdóttir – am Klavier – mit ihren Sängerinnen, den „Sonanzen“. Bild: Petra Suchanek

Klassisch-romantische Stücke und nordische Lieder

Warum eigentlich ein reiner Frauenchor? Das Chorsingen sei hierzulande zwar im Aufwind, die Männer würden aber überall weniger, weiß Baldursdóttir. „Da hat sich für Frauen eine feine, neue Schiene gebildet. Denn die Verlage machen jetzt viel mehr Bearbeitungen von großen Stücken für Frauenchöre. Vor ein paar Jahren gab es da fast nichts.“

Die „Sonanzen“ singen nicht nur Klassisches, sondern auch nordisches Liedgut und Volkslieder aus verschiedenen Ländern. Da sind die Sängerinnen gefordert: „Da heißt es üben, üben, üben. Manchmal mit Lautschrift in großen Buchstaben“, lachen Lisi, Helga, Irmi, Margot, Petra, Lore und Annemieke. Sie sind im Vorstand und sangen zum Teil schon im Singkreis St. Virgil, aus dem die „Sonanzen“ 2013 hervorgegangen sind. Sie wissen: „Die Lieder mit dem größten Widerstand sind beim Konzert am schönsten.“ Da plagt man sich in der Probe gern ein bisschen.

„Ein Chor ist wie ein Spiegel der Gesellschaft. Es geht nur miteinander.“ Rósa Baldursdóttir, Gesangspädagogin

Manche reisen gar aus dem Flach- und Tennengau an. Die Hausfrau singt hier neben der Anwältin, die Psychologin neben der Pensionistin. Baldursdóttir: „Ein Chor ist wie ein Spiegel der Gesellschaft. Es braucht Toleranz und einen würdevollen Umgang miteinander. Gegeneinander funktioniert da nicht.“ Das Miteinander lerne man in einem Chor ganz automatisch, sind sich die Sängerinnen einig. „Man lernt, aufeinander zu hören, auf das Ganze, nicht nur auf die eigene Stimme.“ Das Schöne am Chorsingen sei ja, dass mehrere Stimmen zusammenkommen, das erzeuge diesen „Gänsehautklang“.

Der Chor nimmt noch Sängerinnen auf

Das weiß man in Skandinavien schon lange. Auch wenn Österreich eine starke Musiktradition habe, so sei die Chortradition in den nordischen Ländern eine ganz andere, sagt Baldursdóttir. „Da ist es normal, dass jeder in einem Chor singt.“ Auch die Sonanzen freuen sich über neue Sängerinnen. Notenlesen ist keine Pflicht, nur ein Vorsingen vor der Leiterin. Geprobt wird montags, 19 Uhr, im Saal der Volkskultur (unten im Schauspielhaus).

Konzerte: Sa., 22. Juni, Stiftskirche in Laufen; So., 23. Juni, Stadtpfarrkirche Gneis Salzburg, Beginn: jeweils 19 Uhr

Von Petra Suchanek